Wittstock



Reisedatum:  Freitag, 10.09.2021

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


Wittstock?!

Okay, da muss ich ein wenig weiter ausholen. Es gibt dieses Mal auch keinen "klassischen" Bericht über einen Tagesausflug, allein schon deshalb, da ich mehrere Tage dort war. Aber die Stadt habe ich tatsächlich nur am Freitag besichtigt, daher die Einsortierung in dieser Kategorie. Und warum Wittstock? Mein anderes Hobby neben dem Rumreisen ist ja das Schachspiel. Während der ganzen Lockdowns des vergangenen Jahres entstand auf der Plattform Lichess eine Online-Schachliga als Ersatz für den regulären Spielbetrieb. Über einen Freund wurde ich Teil des Teams vom SC Wittstock, der sich nebenbei bemerkt in der Online-Liga von der 17. bis zwischenzeitlich immerhin in die 3. Liga hochgekämpft hat. Mein eigener Beitrag dazu war eher unbedeutend, aber das nur am Rande. Jedenfalls veranstaltet der "echte" SC Wittstock auch ein echtes Schachturnier, genannt "Ran an den Turm". Zu diesem Anlass wollten sich einige Teilnehmer an der Online-Liga sozusagen im realen Leben treffen - womit ich jetzt endlich beim Grund für die Reise nach Wittstock bin. Am Turnier selbst habe ich auch teilgenommen, aber das ist eine andere Geschichte und auch nicht weiter erwähnenswert.

 

Das Turnier wurde am Samstag und Sonntag ausgetragen, so dass mir der Freitag für die Anreise und Stadtbesichtigung blieb. Nach Einchecken im sehr gemütlichen Hotel Röbler Thor, der Begrüßung einiger bislang nur aus der virtuellen Welt bekannter Teammitglieder und Erkundung des Turniersaals ging es in die Altstadt von Wittstock. Diese wird umschlossen von der mittelalterlichen Stadtmauer, die noch zu erstaunlich großen Teilen erhalten ist. Zwar sind wohl nicht mehr überall die originalen Mauersteine verbaut, dennoch macht das ganze einen richtig historischen Eindruck, und auch der Erhaltungszustand ist hervorragend. Das gilt übrigens auch für die Altstadt selbst, die zu großen Teilen gründlich renoviert daherkommt - Gebäude und Straßen gleichermaßen. Es wird ja verschiedentlich über den sog. "Aufbau Ost" und die zu diesem Zweck aus dem Westen transferierten Gelder gemeckert. Wenn ich mir jedoch Altstädte wie die von Wittstock oder andere (siehe hierzu diverse meiner Berichte) anschaue, weiß ich wenigstens, wofür das Geld aufgewendet wurde und kann damit sehr gut leben. Da kommt auch - zumindest bei mir - kein Neid auf.

Aber zurück zum Thema. Die Stadthalle, in der das Turnier gespielt wurde, liegt nördlich der Stadtmauer. Mein Rundgang begann daher am nördlichsten Stadttor, dem Gröpertor. Ich bin von hier der Mauer gefolgt, und zwar bis zum Bahnhof. Kurz davor durchquert man den Friedrich-Ebert-Park und erreicht bald darauf einige sehr schön angelegte Rosenbeete. Hierzu muss man wissen, dass Wittstock 2019 die Landesgartenschau ausrichtete; Spuren hiervon finden sich noch an manchen Stellen der Stadt. Am südlichsten Punkt der Altstadt lag die Alte Bischofsburg, von der heute noch der große Torturm erhalten ist. Ab hier bin ich dann kreuz und quer durch einige Gassen geschlendert, immer auf der Suche nach sicherem Stand auf dem teils abenteuerlich verlegten alten Kopfsteinpflaster. Östlich der Altstadt befindet sich eine größere Freifläche, die wohl auch während der Landesgartenschau genutzt wurde, zumindest sieht man hier noch diverse Relikte. Direkt dahinter steht die Ruine des ehemaligen VEB Obertrikotagenwerks "Ernst Lück", in dem zu DDR-Zeiten bis zu 2.800 Menschen beschäftigt waren (Wittstock hat übrigens ca. 14.000 Einwohner - nur mal zum Vergleich). Ich mag ja Industrie- und Bahnbrachen aller Art und habe mir daher die alten Gebäude von allen zugänglichen Seiten angesehen. Anschließend ging es dann ins Stadtzentrum, wo ich in einer kleinen Bücherei herumstöberte und schließlich den großen Marktplatz erreichte. Auch hier ringsherum stilvoll restaurierte Häuser und ein Backsteinrathaus im Jugendstil - ich erwähnte ja bereits gelegentlich mein Faible für die Backsteinarchitektur :-) Direkt neben dem Marktplatz steht die große St.-Marien-Kirche, die dann bereits den Abschluss meiner kleinen Tour durch Wittstock bildete. Danach gab es noch ein leckeres Abendessen im Restaurant Markt 11, bei dem ich vor allem das Dessert lobend erwähnen möchte :-)

Wittstock ist - auch ohne Schachturnier - auf jeden Fall eine Reise wert.