Speyer



Reisedatum:  Samstag, 31.07.2021

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


Auf der Ende Juli abgehaltenen Tagung der UNESCO wurden die SchUM-Städte mit ihren jüdischen Bauten und Friedhöfen in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben - für einen gebürtigen Wormser wahrlich ein besonderes Ereignis! Der letzte Juli-Tag sollte daher für einen Besuch in Speyer verwendet werden. Die Anreise mit der Bahn machte mir nochmal eindrücklich klar, warum ich nicht gerne in der 2. Klasse fahre - aber das ist ein anderes Thema, bei dem man ja mittlerweile auch aufpassen muss, was man sagt...

 

In Speyer angekommen, führte mich der Weg zunächst in den nahe beim Bahnhof gelegenen Alten Friedhof, inzwischen Adenauerpark geheißen. Den kleinen Park habe ich einmal komplett umrundet und passierte dabei natürlich auch das Grab des Kanzlers der Einheit - absolutes Pflichtprogramm! In einem größeren Bogen ging es dann weiter Richtung Innen- bzw. Altstadt. Hierbei kam ich an den vom abgesehenen größten Kirchen von Speyer vorbei - die katholische Sankt-Josephs-Kirche sowie die in unmittelbarer Nähe stehende Gedächtniskirche der Protestation mit ihrem großen Lutherdenkmal, dessen Gestaltung eindeutig auf Luthers Auftritt vor dem Wormser Reichstag von 1521 hinweist. In der Gedächtniskirche sind mir vor allem die vielen bunten Glasfenster aufgefallen, die wie die gesamte Kirche den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Anschließend bin ich ein wenig im benachbarten Wohngebiet herumgeirrt, was mir mal wieder zeigte, dass ich mich viel zu sehr auf Smartphone, Google Maps usw. verlasse - das ging doch früher auch ohne diese ganzen Dinge!? Egal... Wieder auf dem richtigen Weg, erreichte ich dann die Altstadt und das eigentliche Ziel meines Besuches: den Judenhof. Dieser besteht aus einem kleinen Museum, den Gebäuderesten der mittelalterlichen Synagoge und einer noch vollständig erhaltenen Mikwe aus dem 12. Jahrhundert. In diese bin ich dann auch hinabgestiegen und war überrascht, dass ich theoretisch auch einfach weiter bis ins Badebecken hätte laufen können - eine Absperrung habe ich nicht gesehen. Jedenfalls ein beeindruckendes Bauwerk so tief unter der Erde. Vom Judenhof sind es dann nur noch wenige Meter bis zum Speyerer Dom, dem immer noch bekanntesten Bauwerk der Stadt, selbst bereits seit 1981 Weltkulturerbe. Als Wormser bin ich bei der Beurteilung dieses Bauwerks natürlich nicht ganz objektiv, und man kann solche Gebäude auch nicht wirklich vergleichen, da sie viel zu unterschiedlich sind. Der Speyerer Dom ist um ein Vielfaches größer als sein Pendant in Worms, wirkt durch den andersfarbigen Stein außen und innen viel heller usw. Von außen ist er für mich jedoch viel weniger harmonisch in der Erscheinung als der Wormser Dom, vor allem das neuromanische Westwerk passt nicht zum Gesamtbild. Aber ich schweife schon wieder ab, und natürlich ist auch der Speyerer Dom ein Bau von hohem historischem Wert. Einmal um den Dom herum und auch ein kurzer Blick ins Innere, bevor es weiter durch die Altstadt ging. Das benachbarte Historische Museum der Pfalz verschmähte ich ebenso wie das weitbekannte Technikmuseum Speyer - beide hatte ich vor einigen Jahren bereits besucht. Stattdessen bin ich noch ein wenig durch die Gassen der Altstadt gelaufen und kam irgendwann eher ungeplant fast wieder am Dom raus. Dann war es auch bereits wieder Zeit, Richtung Bahnhof zu marschieren. Und zwar durch die wirklich schöne Fußgängerzone, die am einen Ende vom Dom und am anderen vom Altpörtel, dem ehemaligen Westtor der Stadtmauer begrenzt wird. Über die Wormser Straße und die Wormser Landstraße (so muss das sein!) erreichte ich dann auf ziemlich direktem Weg den Bahnhof, und es ging auf die Heimreise.