Naumburg + Tempelhofer Feld



Reisedatum:  Samstag + Sonntag, 03.+04.04.2021

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß, S-Bahn


Die Kombination dieser beiden Reiseziele klingt im ersten Moment etwas seltsam, doch der Reihe nach. Naumburg stand schon länger auf meiner Liste, vor allem wegen des Naumburger Doms (=Weltkulturerbe). Also ging es am Karsamstag Richtung Burgenlandkreis; die Anreise über Mannheim und Erfurt verlief dabei ohne Probleme. Wenn man das Bahnhofsgebäude verlässt, fällt der erste Blick auf den Wagen der Straßenbahn Naumburg, ihres Zeichens der kleinste Straßenbahnbetrieb Deutschlands mit genau einer 2,9 km langen Strecke. Doch zunächst wollte ich zu Fuß in die Innenstadt - der Hauptbahnhof liegt etwas außerhalb davon. Nach anderthalb Kilometern hat man das Stadtzentrum erreicht, und ich lief am Oberlandesgericht vorbei zum Naumburger Dom. Der im Wesentlichen aus dem 14. Jahrhundert stammende Dom ist ein beeindruckendes Bauwerk, ganz gleich von welcher Seite man es betrachtet. Leider - und ich ärgere mich riesig, dass ich das im Vorfeld nicht mal geprüft habe - war der Dom für Besucher völlig unzugänglich, noch nicht mal Innenhof und Kreuzgang konnte man betreten. Sehr ärgerlich! Ich bin dann ein wenig planlos durch die engen Altstadtgassen (sehr schöne Altstadt!) gelaufen, u.a. vorbei an einem größeren erhaltenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und erreichte die am schönen Marktplatz gelegene Stadtkirche St. Wenzel, die - seltsamerweise - sehr wohl geöffnet war. Vorbei am Stadtpark ging der Weg dann wieder in Richtung Hauptbahnhof, wobei ich hier schon den Straßenbahnschienen folgte. Am Bahnhof wurde dann das 60 Jahre alte Qualitätsprodukt der Gothaer Waggonfabrik bestiegen, und es ging einmal bis zum anderen Streckenende am Salzmarkt und wieder zurück. Der Straßenbahnfahrer ließ es sich übrigens nicht nehmen, allen Fahrgästen (das waren sogar knapp 10 + ein Hund) einen kleinen Schoko-Osterhasen zu schenken, fand ich toll! Zurück am Hauptbahnhof war es Zeit für eine wichtige Entscheidung: Wieder auf den Heimweg machen oder nach....? Meine ursprüngliche Planung für das lange Wochenende sah vor, am Ostersonntag nach Norddeich oder Emden zu fahren und mit dem Nachtzug wieder zurück. Der Blick auf die Wettervorhersage und die Erinnerung daran, wie erbärmlich kalt es vor zwei Wochen in Grömitz war, ließen mich jedoch stark zweifeln. Also wieder mal ein Plan B: Ab nach Berlin! Von Naumburg über Leipzig in zwei Stunden erreichbar, und einen Nachtzug gab es ebenfalls. Während der Fahrt nach Berlin überlegte ich, was man in drei Stunden dort wohl machen könnte. Für Anfang Oktober plane ich ja (naiverweise?!) eine ganze Urlaubswoche in Berlin und habe mir dafür auch schon ein paar Ziele zusammengestellt. Eines davon ist das Tempelhofer Feld, und mein ICE hielt praktischerweise in Berlin Südkreuz, also nur eine S-Bahn-Station von Tempelhof entfernt. Ich wollte einfach nur eine Runde über das ehemalige Flughafengelände laufen; das Wetter hatte sich noch sehr angenehm entwickelt und versprach die Aussicht auf ein paar schöne Fotomotive. Über das Tempelhofer Feld bzw. den ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof mit seinem riesigen Flughafengebäude muss man ja nicht viel schreiben. Ich bin wie geplant eine große Runde bis ans östliche Ende des Flughafengeländes gelaufen. Das Empfangsgebäude ist leider sehr sehr weiträumig mit einem Zaun abgesperrt, es befindet sich dort wohl ein größeres Impfzentrum, wobei die "Containerstadt" eher noch auf eine Flüchtlingsunterkunft schließen ließ. Hier am Ostende des Tempelhofer Feldes wurden mehrere Stadtteilgärten angelegt, wo augenscheinlich sehr alternative Menschen ebensolchen alternativen Lebensweisen nachgehen - um es mal sehr vorsichtig auszudrücken :-) Trotz der enorm weitläufigen Fläche war das Grasgeruch doch ziemlich penetrant, aber jedem das Seine. Über die südliche der ehemaligen Start- und Landebahnen bin ich dann wieder zurück zum Eingang gelaufen, vorbei an vielen hundert Radfahrern, Skateboardern, Windsurfern auf Skateboard oder Rollschuhen usw. usw. Dabei gelangen mir - wie ich finde - ein paar recht schöne Fotos von der langsam untergehenden Sonne. Mit der S-Bahn bin ich dann von Tempelhof über Ostkreuz an den Hauptbahnhof gefahren, wo ich noch eine gute Stunde bis zur Abfahrt des Nachtzuges hatte. Mit diesem wollte ich eigentlich bis Stuttgart fahren (Ankunft ca. 5.20 Uhr), dann mit dem nächsten ICE wieder zurück nach Mannheim und mit der ersten S-Bahn des Tages weiter nach Worms. Der Plan scheiterte dann in Frankfurt, als der Zug seinen Geist aufgab. Im Frankfurter Hauptbahnhof konnte man ihn nach einer guten Stunde zwar nochmal in Gang bringen, aber auf dem Flughafenbahnhof war dann endgültig Schluss. Glücklicherweise fuhr von hier kurz nach halb sechs ein Zug der Österreichischen Bundesbahnen Richtung Budapest, mit Halt u.a. in Mannheim. War meine erste Fahrt mit einem ÖBB-Zug, die Ausstattung mit den "Chefsesseln" fand ich allerdings beeindruckend! Summa summarum war ich dann doch wie geplant um viertel nach sieben in Worms, und eine halbe Stunde später endlich auch im Bett :-)