Insel Reichenau



Reisedatum:  Samstag, 26.03.2021

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


(geschrieben am 01.04.2021)

Erster Geltungstag meiner BahnCard 100, endlich!

Plan A für diesen Tag sah einen Besuch in Tübingen vor. Aber der dringenden Bitte von Boris Palmer an alle Nicht-Tübinger, doch bitte nicht nach Tübingen zu kommen, leistete ich vernünftigerweise Folge. Plan B war der Besuch von Konstanz inkl. Stippvisite in der Schweiz und natürlich ein paar Kilometer entlang des Bodensees. In Singen (Hohentwiel)  bestieg ich erstmals einen Zug der Schweizerischen Bundesbahnen, der mich nach Konstanz bringen sollte. Ab Radolfzell verläuft die Bahnstrecke direkt am Ufer des Bodensees, und dank des strahlenden Sonnenscheins war ich direkt hellauf begeistert. Also wurde Plan B auch verworfen, und ich bin schon am Bahnhof Reichenau ausgestiegen. Google Maps verriet mir, dass es von dort über den Damm nicht bis auf die Insel Reichenau sein sollte. Plan B1 sah eigentlich vor, mal auf die Insel zu laufen, dort ein wenig schöne Seestimmung zu genießen und dann doch noch mit dem Bus nach Konstanz zu fahren. Der Weg bis auf die Insel lief sich gut, und die Aussicht sowohl rechter wie linker Hand auf den Bodensee war einfach nur grandios. Obwohl Nichtschwimmer, bin ich halt einfach ein Wassermensch :-) Auf der Insel Reichenau angekommen, verwies mich ein Hinweisschild nach rechts, wo es u.a. Richtung Kloster und Yachthafen gehen sollte. Gesagt getan, wobei mir der schmale holprige Weg nicht ganz so gut gefiel. Ich hatte ja noch keine Ahnung, was kommen sollte... Der Weg (bzw. bald darauf die Straße) führt immer in Ufernähe entlang, wobei das Ufer durchgehend aus zu den vielen Ferienwohnungen gehörenden Grundstücken besteht und daher nicht so ohne weiteres zugänglich ist. Nach einigen Kilometern und aufkommendem Hunger stand ich vor der Entscheidung, entweder nach links Richtung Inselmitte und Bushaltestellen abzubiegen oder doch noch etwas weiterzulaufen. Der überraschend auftauchende und vor allem geöffnete Imbissstand nahm mir diese Entscheidung dann ab :-) Frisch gestärkt mit einem Fish-and-Chips-ähnlichen Gericht ging es weiter zum Hafen. Kurz davor liegt das beeindruckende Kloster Reichenau - seit 2000 auch Weltkulturerbe. Dahinter führt der Weg dann tatsächlich bis direkt ans Wasser, und ein breiter Steg (sogar mit Bänken) verschaffte mir eine tolle Sitzgelegenheit quasi auf dem See. Die Farben des Wassers und des Himmels kommen auf den Fotos nicht ganz so zur Geltung, aber man bekommt einen ungefähren Eindruck, wie toll es hier ist. Leider blies der Wind recht heftig, so dass es mich bald zum Weiterlaufen drängte. Inzwischen hatte ich den - verwegenen - Plan, die Insel einmal komplett zu Fuß zu umrunden, da ich mich noch recht fit fühlte. Also weiter bis an die Westspitze, wo der Fußweg immer schmaler wurde und teilweise praktisch mitten durch die Gärten der Anwohner führte. Dieser Teil der Insel hat mir am besten gefallen, da man praktisch die ganze Zeit direkt am Ufer entlangläuft und sich durch Sonnenstand und Wolkenbildung wirklich tolle Motive ergaben. Nach einiger Zeit erreichte ich den großen Campingplatz inkl. Strand, an dem trotz Corona eine Menge los war. Dahinter wird der Weg dann endgültig abenteuerlich. Kaum einen halben Meter breit, durch Höfe und Vorgärten, so dass man eigentlich ständig befürchtet, von Anwohnern wegen Hausfriedensbruch behelligt zu werden :-) Dort zu wohnen stelle ich mir daher irgendwie seltsam vor, aber für den Touristen ist es sehr spannend. Am Südufer angekommen, hatte ich doch einige Zweifel, wie weit ich noch würde laufen können, zumal es in Richtung Damm und Festland tendenziell eher bergauf ging. Ungefähr auf halbem Weg muss man den Uferbereich dann verlassen, da es hier keine ausgebauten Pfade mehr gibt. Also ging es weiter auf einer Art Hauptstraße durch ein paar kleine Ansiedlungen - und irgendwann dann auch vorbei an der letzten Bushaltestelle. Bis zum Bahnhof Reichenau waren es immer noch 5 km, und ich war schon ziemlich geschlaucht. Aber Plan ist Plan, und mein Ehrgeiz führte mich mit vielen Pausen dann doch noch zurück zum Bahnhof. Am Ende musste ich mich sogar noch etwas beeilen, um den für die Rückfahrt passenden Zug zu erwischen. Über Singen, Stuttgart und Mannheim ging es wieder zurück in die Heimat, wo ich den Beginn der Ausgangssperre nur um eine gute Stunde übertrat :-)