Ingolstadt



Reisedatum:  Mittwoch, 09.02.2022

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


Es gibt etwa 30 Großstädte in Deutschland, die ich noch nicht besucht habe - seit dem 09.02. ist es wieder eine weniger. Die Wahl auf Ingolstadt fiel wie immer recht spontan, ich wusste im Vorfeld ungefähr nichts über die Stadt, außer: AUDI. Das AUDI-Museum (und andere Museen) wären bestimmt auch interessante Orte meiner Tour gewesen, doch die in der Wolfsburger Autostadt gemachten Erfahrungen ließen mich davon Abstand nehmen. Mein Rücken empfiehlt mir: Entweder weit laufen - oder ins Museum gehen. Im Zusammenhang mit einem möglichen Museumsbesuch muss ich auch an dieser Stelle wieder ein paar Worte über die "Corona-Politik" verlieren. Der Ministerpräsident des Freistaates Bayern hat meiner Meinung nach ja schon lange nicht mehr alle Latten am Zaun, um es mal vorsichtig auszudrücken. Das erkennt man unschwer auch an den aktuellen Regeln in Bayern: In der Gastronomie gilt 2G (mancherorts sogar 3G), also eine eher liberale Vorgabe. In Museen - wo sich im Vergleich zu einem Restaurant ja immer nur ein kleiner Bruchteil an Menschen pro Quadratmeter aufhält - gilt dagegen 2G Plus. What the... ich wollte mich ja dieses Jahr nicht mehr so viel aufregen :-)

 

Vorweg: Ingolstadt ist auf jeden Fall eine Reise wert! Wer mit der Bahn anreist, sollte beachten, dass der Hauptbahnhof - für eine Großstadt eher untypisch - etwa zweieinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Busse fahren natürlich reichlich. Das Stadtgebiet wird von der Donau geteilt, wobei die Altstadt nördlich davon liegt. Ingolstadt war bis ins 19. Jahrhundert eine stark vom Militär geprägte Festungsstadt, in der teilweise mehrmals so viele Soldaten wie Zivilisten beheimatet waren. Das gab es in anderen Städten natürlich auch, doch bislang habe ich noch nirgends so viele bauliche Überreste und teilweise sogar ganze Gebäudekomplexe aus diesen Zeiten gesehen. Die erhaltenen Gebäude werden u.a. als Museen und von städtischen Ämtern und Behörden genutzt. Die Stadtmauer rund um die Altstadt ist ebenfalls teilweise erhalten, vor allem aber sieht man viele alte Schanzen (daher auch der Spitzname "Schanzer" u.a. für die Fußballer), Befestigungen, Fronten, Türme, Batterien, Kasematten usw. Wer sich für Militär allgemein und speziell für die Architektur interessiert, bekommt in Ingolstadt viel geboten. In der Altstadt selbst sind viele mittelalterliche Gebäude erhalten und in gutem Zustand restauriert. Interessant das Liebfrauenmünster mit den in Relation zum Kirchenschiff um 45° gedrehten Türmen - kann mich nicht erinnern, das schonmal anderswo gesehen zu haben. Breite (Einkaufs-)straßen wechseln sich ab mit kleineren Gässchen, und - das muss ich ausdrücklich erwähnen - für Touristen gibt es eine ausführliche Beschilderung durch Hinweistafeln zu einzelnen Gebäuden, Straßen usw. Wo Licht ist, gibt es natürlich auch immer ein wenig Schatten: Direkt am Donauufer und unweit des Neuen Schlosses (wunderschön) steht das Stadttheater, ein für meinen Geschmack unfassbar unansehnlicher Betonbunker aus den 60er-Jahren inkl. trostlosem Umfeld. Alles in allem aber eine sehenswerte Stadt und auch von der Größe bestens geeignet für einen Tagesausflug.

 

Die Reisezeit von Worms nach Ingolstadt beträgt - mit Umstieg in München - knapp viereinhalb Stunden, also noch völlig im Rahmen. Bis zur Rückfahrt hatte ich sieben Stunden Zeit und bin zunächst die bereits erwähnten zweieinhalb Kilometer Richtung Altstadt marschiert. Übrigens herrschte den ganzen Tag ein traumhaftes Wetter, die Fotos mögen es einigermaßen rüberbringen. Über eine kleine Fußgängerbrücke ging es vorbei am Neuen Schloss in die Altstadt. Die vielen Infotafeln wiesen mich u.a. auf den Festungsrundgang hin, an dem ich mich in der Folge grob orientiert habe. Also einmal durch die Altstadt und dann nach Norden raus, vorbei am Volksfestplatz und durch den Hindenburgpark. Die Wege sind dort übrigens durchgehend asphaltiert, was mir das Laufen etwas erleichterte. Ich bin dann einen weiten Halbkreis um die Wallanlagen gelaufen bis ans Donauufer und von dort wieder ins Zentrum. Nach kurzer Mittagspause ging es eigentlich nur noch kreuz und quer durch die Altstadt, wo ich unter anderem das wirklich sehenswerte Kreuztor entdeckte. Es lief sich den ganzen Tag recht locker, wozu natürlich auch das tolle Wetter beitrug - mit Sonne macht es einfach mehr Spaß als ohne! Im Gegensatz zu den beiden letzten Touren konnte ich meine Zeit gut ausnutzen und kam erst recht kurz vor der Abfahrt meines Zuges wieder am Bahnhof an. Zum Schluss gab es dann noch ein kleines Goodie: Der ICE verkehrte nur mit einem Zugteil ("meins" fehlte), so dass ich unverhofft das Glück hatte, einen Platz im winzigen Ruhebereich des ICE 3 - direkt hinter dem Führerstand - zu bekommen. Warum das toll war? Der freundliche Triebfahrzeugführer hatte die Verglasung nicht verdunkelt, und ich konnte ihm bei der Arbeit zusehen, zumindest bis es draußen dunkel wurde. Für den kleinen Bahnfreak in mir immer wieder schön :-)