Erfurt



Reisedatum:  Montag, 28.12.2020

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß, Straßenbahn


Frei nach Loriot sagte ich mir: "Ein Jahr ohne Besuch in Erfurt ist möglich, aber sinnlos!"

 

In Erfurt findet normalerweise zwischen den Jahren das Erfurter Schachfestival statt, an dem ich schon einige Male teilgenommen habe, entweder als Spieler oder als Tourist. Erfurt habe ich erstmals 2010 kennen gelernt und war seitdem schon acht oder neun Mal dort, also wird dies kein Reisebericht wie die anderen. 

 

Der Tag begann schon mit einer freudigen Überraschung am Mannheimer Hauptbahnhof. Nach Erfurt sollte mich der auf meine Heimatstadt Worms getaufte ICE bringen, den ich schon oft gesehen habe, ohne damit gefahren zu sein. Ich will zu Erfurt keinen üblichen Text schreiben, was ich mir dort ansehen wollte und von wo nach wo und an was vorbei ich gelaufen bin.

 

Wenn man den Erfurter Hauptbahnhof verlässt, ist das erste was man sieht "Willy Brandt ans Fenster" - Zeitgeschichte pur. Und dann natürlich die wunderschöne Altstadt. Trotz starker Kriegszerstörungen wurden viele mittelalterliche Gebäude erhalten und - vorwiegend nach der Wende - restauriert oder neu gebaut. Dazwischen gibt es natürlich auch moderne Bauten, aber hier hat man es fast immer geschafft, auch diese in das alte Stadtbild zu integrieren. Hier unterscheidet sich die Erfurter Altstadt aus meiner Wahrnehmung deutlich von anderen Städten, wo dies weniger gut gelungen ist. Die konsequente Autofreiheit eines Großteils der Altstadt ist natürlich auch etwas, das zum Stadtbild beiträgt und was dank der Straßenbahn auch scheinbar nicht weiter stört, da man ohne Probleme überall hinkommt, wo man möchte. Es gibt in Erfurt einen zentralen Platz, den Anger, und von diesem ausgehend mehrere Fußgängerzonen. Auch hier dazwischen immer wieder mittelalterliche Fachwerkhäuser in beeindruckendem Zustand. Und natürlich jede Menge kirchliche Gebäude. Sehr eindrücklich vor allem die Ruine der Barfüßerkirche, aber auch die Alte Synagoge. Architektonisch besonders interessant finde ich immer wieder die Krämerbrücke, sowohl beim Überqueren als auch beim Betrachten von der Seite, wo man die "windschiefen" Häuser besonders gut sieht und sich automatisch fragt, wie das wohl von innen aussieht. Touristisch bekanntester Ort von Erfurt ist wahrscheinlich der Domberg mit dem einzigartigen Nebeneinander von Erfurter Dom und Severikirche. Das sieht schon von weitem beeindruckend aus, und erst recht, wenn man nach Erklimmen der Domstufen zwischen den beiden Bauwerken steht. Gleichzeitig hat man von oben einen schönen Blick auf die ganze Altstadt.

 

Nach 15 Kilometern kreuz und quer durch die Altstadt und angrenzende Straßen sowie einigen Touren mit der Straßenbahn endete ein mal wieder schöner Tag in Erfurt, glücklicherweise gerade bevor der angekündigte Regen einsetzte. Heimwärts ging es dann lustigerweise wieder mit dem ICE "Worms".