Berlin 2



Reisedatum:  Samstag, 03.10.2020

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


(geschrieben am 10.12.2020)

30 Jahre Deutsche Einheit - da kann man doch schon mal nach Berlin fahren :-) Die Idee dazu kam mir mittwochs, und es gab zum Glück noch ein halbwegs sparpreisiges Zugticket, also nichts wie los.

 

Ich hatte ungefähr sechs Stunden zur Verfügung und wollte in dieser Zeit sozusagen so viele Meter wie möglich machen und alle in Berlin ansässigen obersten Verfassungsorgane besuchen, also Bundespräsident, Bundestag, Bundesrat und Bundeskanzlerin.

 

Vom Hauptbahnhof ging es entlang der Spree, vorbei u. a. am Gebäude der Bundespressekonferenz und am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus bis zur Marschallbrücke. Von dort immer der Wilhelmstraße folgend, kommt man an vielen Botschaftsgebäuden, Bundesministerien usw. vorbei. Alles richtig hauptstädtisch eben. Und es war - feiertagsbedingt? - auch eine Menge los, wahrscheinlich lag es aber eher am wirklich tollen Wetter. Nach einigen (vielen) Metern erreicht man rechter Hand das Detlev-Rohwedder-Haus, heute Sitz des Bundesfinanzministeriums, davor Treuhandanstalt, noch davor "Haus der Ministerien" (DDR) und noch weiter davor Reichsluftfahrtministerium. Von hier aus steuerte ich dann - allerdings über seltsame Umwege - den Checkpoint Charlie an. So weltberühmt er ja auch ist, genauso unscheinbar ist das kleine Häuschen mitten auf der Friedrichstraße. Naja, man muss halt mal dortgewesen sein...

 

Entlang der Zimmerstraße erreichte ich dann ein größeres Mauerdenkmal sowie das Gebäude des Berliner Abgeordnetenhauses. ehemals Sitz des Preußischen Abgeordnetenhauses. Beim Betrachten dieser Gebäude und dem Erinnern daran, was in früheren Epochen dort beheimatet war und wer dort was beschlossen hat, kann man sich doch manchmal etwas wundern. Natürlich verüben nicht die Gebäude böse Taten, sondern die Menschen, die in ihnen arbeiten, aber dennoch fände ich es vermutlich eher beklemmend, bspw. in einem ehemaligen Reichsministerium zu arbeiten. Oder wie im Fall des Abgeordnetenhauses in einem Gebäude, das auch mal den Volksgerichtshof beherbergte. Egal, hier ist ja ein Reiseblog und keine Geschichtsseite...

 

Über den Potsdamer Platz mit seinen vielen hohen und teilweise seltsamen Gebäuden bin ich dann in die Leipziger Straße eingebogen. Nächstes Ziel war das ehemalige Preußische Herrenhaus, heute Sitz des Bundesrates. Hat mir rein architektonisch von den zuvor erwähnten Gebäuden übrigens am besten gefallen. Weiter ging es dann vorbei an weiteren Botschaften und dem Holocaust-Mahnmal ans Brandenburger Tor. Dort wurde - natürlich - wieder demonstriert, wobei es mir eher unklar blieb, wofür oder wogegen man hier argumentierte. Ich bin dann durch den - sehr schönen - Tiergarten gelaufen, und zwar bis an die Siegessäule. An den heutigen Standort wurde sie übrigens - samt der angrenzenden Denkmäler für Bismarck, Roon und Moltke - in den Jahren 1938 und 1939 versetzt. Auch hier fragt man sich... naja, siehe oben.

 

Letzter Punkt auf meiner To-Do-Liste für den Tag war das Schloss Bellevue. Dienstsitz des Bundespräsidenten, am nördlichen Ende des Tiergartens gelegen. Über die Lutherbrücke gelangte ich ans andere Spreeufer und bin von dort Richtung Kanzleramt weitergelaufen, welches ich von dieser Seite bislang noch nicht gesehen hatte. Zum Abschluss dann noch ein kurzer Schwenk zum Reichstagsgebäude und zurück zum Hauptbahnhof, und schon waren knapp 16 km absolviert.