Bayreuth



Reisedatum:  Mittwoch, 04.05.2022

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


Als "Weltkulturerbe-Sammler" muss man natürlich auch irgendwann einmal nach Bayreuth fahren. Noch dazu, wenn man wie ich aus der Nibelungenstadt Worms kommt; Wagner und die Nibelungen ist ja ein Kapitel für sich. Während der Fahrt dorthin - und noch mehr vor Ort - ging mir das Thema "Richard Wagner und sein Antisemitismus" durch den Kopf, verbunden mit der Frage, wie es zu bewerten ist, dass sich Bayreuth so über ihn und sein Wirken definiert. Richard Wagner selbst widerfuhr sozusagen die Gnade des frühen Todes - er starb 50 Jahre vor Hitlers Machtergreifung. Allerdings braucht man keine besondere Fantasie, um sich vorzustellen, wie er dieser gegenübergestanden hätte. Und der Antisemitismus war (ist?) in der Familie Wagner ja weit verbreitet, man denke nur an Siegfried oder Winifred Wagner. Schwieriges Thema, bei dem man sich vermutlich kein vorschnelles Urteil erlauben sollte.

 

Der Wikipedia-Artikel zu Bayreuth spricht sehr negativ über die Gestaltung des Wiederaufbaus nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und beklagt den Verlust der historischen Bausubstanz. Vor Ort stellte sich das - zumindest aus meiner Sicht - längst nicht so negativ dar wie befürchtet. Natürlich gibt es auch in Bayreuth einige ziemlich fürchterliche Gebäude aus den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren, die so gar nicht in das Stadtbild passen wollen. Aber das habe ich in anderen Städten schon weitaus schlimmer erlebt. Man findet in Bayreuth durchaus noch eine zusammenhängend wahrnehmbare Altstadt mit verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und auch Überresten der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Wahrzeichen der Stadt ist das Markgräfliche Opernhaus aus dem 18. Jahrhundert - seit 2012 Weltkulturerbe. Der Innenraum ist ausschließlich aus Holz errichtet und einfach nur wunderschön. Mir persönlich hat es sogar besser noch besser gefallen als z.B. der Zwinger in Dresden. Sehenswert auch das Neue Schloss mit dem idyllischen Hofgarten und die Parkanlagen am bzw. auf dem Grünen Hügel. Hier unterhalb des Richard-Wagner-Festspielhauses findet sich eine Ausstellung, die sich ausführlich und kritisch mit der Rolle der Wagners und ihrem Antisemitismus auseinandersetzt. Außerdem gibt es diverse Museen und eine erstaunliche gastronomische Vielfalt in den Straßen und Gassen der Altstadt - für eine Stadt dieser Größe fand ich das bemerkenswert.

Alles in allem ist Bayreuth aus meiner Sicht eine sehenswerte Stadt, die man durchaus mal für eine Tagestour ins Auge fassen kann.

 

Die Anreise aus Worms erforderte drei Umstiege (Mannheim, Frankfurt-Flughafen und Nürnberg), dauerte aber dank des ICE Sprinters weniger als fünf Stunden. Diese Sprinter - also ICE-Züge mit weniger Zwischenhalten - sind schon eine tolle Sache. Frankfurt-Nürnberg in 1:50 Std., Düsseldorf-München in 4 Std. usw. - das ist gegenüber dem Auto konkurrenzlos schnell und überdies auch noch mega entspannt. Die Runde durch Bayreuth habe ich inkl. Mittagspause in gut vier Stunden absolviert. Den Besuch im Opernhaus habe ich mir dabei für den Schluss aufgehoben und sogar noch kurz überlegt, ob ich überhaupt reingehen sollte. Bayreuth liegt ja bekanntlich in Söder-Land, und da muss man selbst jetzt noch mit dummdämlichen "Corona-Maßnahmen" rechnen. So gilt für den Besuch im Opernhaus und in allen Museen nach wie vor eine Maskenpflicht... Nur fürs Protokoll: Bei der kurzen Führung waren wir genau 8 Leute, in einem Saal mit ca. 400 Sitzplätzen. Ich hatte mir ja eigentlich fest vorgenommen, kein Gebäude mehr zu betreten, dessen Besitzer/Betreiber auch nach Ende des allgemeinen Maskenzwangs noch daran festhält. Aber inkonsequent wie ich halt manchmal bin.... egal, geärgert habe ich mich trotzdem. Vor allem darüber, mich nicht vorher informiert zu haben, denn dann wäre ich erst gar nicht nach Bayreuth gefahren.