Basel



Reisedatum:  Samstag, 05.02.2022

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

Vor Ort:  Zu Fuß


Die Netto-Fahrzeit von Worms nach Basel beträgt weniger als drei Stunden, was die Stadt automatisch zu einem attraktiven Reiseziel macht. Ich war letztes Jahr bereits zwei Mal dort, teilweise noch unter verschärften "Corona-Bedingungen", d.h. die Grenzen waren faktisch dicht, und eine "anlasslose" Einreise in die Schweiz dem entsprechend verboten. Also ging es beim ersten Mal nur für eine Stippvisite bis zum Badischen Bahnhof und dann wieder zurück nach Weil am Rhein, wo ich den "illegalen Grenzübertritt" nach Frankreich wagte. Die Station Basel Badischer Bahnhof ist ein interessantes Beispiel für Grenzbeziehungen zwischen zwei Staaten. Man ist hier natürlich auf schweizerischem Staatsgebiet, de facto ist ein Teil des Bahnhofs jedoch deutsches Zollgebiet. Seit die Schweiz dem Schengener Abkommen beigetreten ist, spielt dies keine große Rolle mehr, davor war es jedoch anders. Wer z.B. mit der Bahn von Freiburg an den Bodensee fahren wollte, stieg im Badischen Bahnhof um, wobei der Zug dann noch einige Zeit über schweizerisches Gebiet fuhr, man aber formal Deutschland nicht verlassen hatte. Bis heute residiert hier übrigens auch der "Beauftragte für die deutschen Eisenbahnstrecken auf Schweizer Gebiet" - was es halt so alles gibt :-) Aber genug des eisenbahn- und grenztechnischen Exkurses.... beim zweiten Besuch konnte ich auch in die Innenstadt und war positiv überrascht.

 

Was sollte der Reisende über Basel wissen und sich auf jeden Fall anschauen? Basel ist wohl DAS Kulturzentrum der Schweiz, wenn man diesen Rang nach der Zahl von Museen, Theatern usw. bemisst. Sind jetzt nicht die Dinge, die mich sonderlich interessieren :-) Aber auch für den gewöhnlichen Städtetouristen gibt es genug zu sehen. Die Altstadtbereiche zu beiden Seiten des Rheins (linksrheinisch Grossbasel, rechtsrheinisch Kleinbasel) sind wirklich malerisch mit vielen engen Gassen, Fachwerkhäusern, Kirchen bzw. Klöstern usw. Das Rheinufer ist von überall her erreichbar, wobei sich die Gebäude teilweise viele Meter über dem Wasserpegel befinden. Überhaupt geht es in der Innenstadt oft recht steil bergauf bzw. bergab. Die Innenstadt ist größtenteils autofrei und dafür durch Tram und Bus gut erschlossen. Als ich auf dem Platz vor dem Theater eine längere Pause machte, kamen die Trams aus allen Richtungen praktisch ununterbrochen vorbei. In Relation zur Einwohnerzahl (ca. 170.000), und auch im Vergleich zu anderen - größeren - Städten, fand ich das wirklich bemerkenswert. Eines der Wahrzeichen ist das wunderschöne Basler Münster, direkt am Rhein gelegen. Zum eigentlichen Kirchenbau gehören zwei Kreuzgänge und weitere Gebäude - unten in der Bildergalerie habe ich ein Foto von einem Miniaturmodell eingestellt, da sieht man es ganz gut. Sozusagen hinter dem Münster liegt eine kleine Terrasse mit einem ganz tollen Blick auf und über den Rhein. Eher zufällig habe ich das ehemalige Kloster St. Margarethental entdeckt, welches seit einigen Jahrhunderten als Waisenhaus genutzt wird und teilweise öffentlich zugänglich ist. Sehr markant ist das Rathaus der Stadt mit seiner bunten Fassade und dem hohen Turm. Das waren jetzt nur drei Beispiele, und wer sich wirklich für Architektur interessiert, wird in Basel noch sehr viel mehr entdecken, sowohl historische als auch moderne Gebäude. Und wer - wie ich - einfach nur ein wenig rumspazieren will, ist dort genauso gut aufgehoben.

 

Allerdings wäre das Rumspazieren beinahe ausgefallen. Mir war es auf der gesamten Hinfahrt irgendwie kalt, obwohl ich eigentlich nicht gerade kälteempfindlich bin - manche würden mich vielleicht sogar unverfroren nennen ;-) Als ich Basel SBB (Schweizer Bahnhof) aus dem Zug stieg, wurde aus dem Kältegefühl ein waschechter Schüttelfrost. Ich stand auf dem Bahnsteig und zitterte am ganzen Körper - warum auch immer. Zwar hatte ich jetzt nicht direkt Angst, irgendwie aus den Schuhen zu kippen, aber direkt wieder zurückzufahren wäre vielleicht auch eine Option gewesen. Stattdessen ging es zunächst in die Bahnhofshalle zu einer Wechselstube und dann auf den Bahnhofsvorplatz. Wäre das Wetter so trostlos wie in Göttingen gewesen, hätte ich vermutlich tatsächlich die Rückreise angetreten, aber die Sonne strahlte und tat dies auch den ganzen Tag. Also auf in die Stadt! Zunächst bis an den Rhein und über die Wettsteinbrücke rüber nach Kleinbasel, dort durch die Altstadtgassen und über die Mittlere Brücke wieder auf das linke Rheinufer. Mir war es zwar immer noch einigermaßen flau, aber das Zittern war wenigstens weg, und ich konnte meine diversen Pausen auf sonnigen Bänken ganz gut genießen. Zum Mittagessen gab es dann leckere Tapas, bevor ich weiter eher ungezielt durch die Innenstadt geschlendert bin. Natürlich durfte auch die obligatorische Einkehr in einer (riesigen) Buchhandlung nicht fehlen, wobei ich da schon merkte, dass mir die Kräfte langsam ausgingen und vor allem die Gliederschmerzen zunahmen. Zum Glück gibt es Ibuprofen, die ja schon seit Jahren mein erstes Frühstück sind manchmal halt auch noch ein Nachmittagssnack. Zurück am Bahnhof hatte ich noch knapp zwei Stunden Zeit, aber wirklich keine Energie mehr. Da halfen dann auch keine Basler Läckerli, mit denen ich mich vor der Rückfahrt noch versorgte. Schwizerdütsch ist in meinen Augen übrigens die goldigste Sprache der Welt :-) Trotz der gesundheitlichen Probleme - wahrscheinlich einfach nur eine Erkältung (?) - war es ein sehr schöner Tag in Basel.