Sylt



Zeitraum:  Montag 04. bis Samstag 09.07.2022

 

Unterkunft:  Westerland, Hotel Stadt Hamburg

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, Bus, Taxi


Zum fünften Mal auf Sylt - klitzekleines Jubiläum also. Und zum ersten Mal in der Hauptsaison, wobei man davon nicht so viel merkte. Die Wetterprognose für Tage war nicht so berauschend, wobei mich die Temperaturen (15-20°) überhaupt nicht störten, der böig-stürmische Wind dagegen schon. Doch dazu später mehr. Die Anreise lief entspannt, wenn man mal von den eher seltsamen Zugbegleitern absieht, die es für eine gute Idee hielten, irgendwelche seltsamen Schlager durch die Lautsprecher zu jagen - vermutlich wollte man die Urlauber in Urlaubsstimmung bringen?! Zum Glück fingen sie damit erst kurz vor Niebüll an und nicht etwa schon in Mainz :-)

Einchecken, Koffer auspacken, ab auf die Strandpromenade - so war es bisher immer, und so war es natürlich auch dieses Mal. Allerdings fühlte es sich irgendwie etwas anders an, auch im Vergleich zum Besuch im letzten Winter. Es macht halt schon einen Unterschied, ob man sich als Berufstätiger mal ein paar Tage Urlaub gönnt oder ob man als derzeit Nichtberufstätiger eine Reise unternimmt. Das war mir vorher gar nicht so bewusst, da ich dieses Jahr bislang ja "nur" Tagestouren oder solche mit einer oder max. zwei Übernachtungen gemacht habe. Damit will ich aber auf keinen Fall sagen, dass es mir weniger gut gefallen hat als sonst, keineswegs! Es war halt anders, aber genießen konnte ich die Zeit zum Glück genau so wie sonst auch. Nach kurzer Runde auf der Strandpromenade das traditionelle erste Abendessen im Bistro des Hotels, und schon war der Tag vorbei...


Für den ersten vollen und noch nicht ganz zu windigen Tag hatte ich mir einen Spaziergang auf die Ostseite der Insel vorgenommen. Also nach dem Frühstück - wie immer um 6:30 Uhr und ebenfalls wie immer als erster und einziger Gast um diese Zeit :-) - den Rucksack gepackt und los. Der Weg war nicht weiter der Rede wert, man läuft halt durch Westerland und Tinnum, immer an der Landstraße entlang und ohne besondere Sehenswürdigkeiten - ich hatte natürlich auch wie immer gar kein konkretes Ziel. Irgendwann war ich dann in Keitum und wollte dort runter ans Ufer und weiter nach Norden evtl. noch Richtung Munkmarsch und Braderup. Eher zufällig entdeckte ich den Friedhof und die wunderschöne kleine Kirche St. Severin. Dass dort wenige Tage später eine viel beachtete Hochzeit stattfinden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht. Der kleine Friedhof ist übrigens die Ruhestätte einiger berühmter Menschen: Rudolf Augstein, Peter Suhrkamp und Gerhard Schröder (nein, nicht der, sondern der andere...). Besonders aufgefallen ist mir ein auf den ersten Blick mehr als makabrer Grabstein(spruch), siehe hierzu die Bildergalerie. 

Statt nach Norden bin ich anschließend dann doch nach Süden gelaufen, vorbei an den Ausläufern der Salzwiesen und schließlich wieder rein nach Keitum. Dort war es höchste Zeit für eine kleine Pause in der ebenso Kleinen Teestube. Der Rückweg ins Hotel war dann nichts Besonderes, aber insgesamt kamen fast 15 Kilometer zusammen - deutlich mehr als ich eigentlich geplant hatte, aber natürlich umso erfreulicher. Beim Gang durch die Fußgängerzone in Westerland erinnerte ich mich an die vielen Berichte der letzten Wochen, dass die Insel von "Punks überrannt" werde usw. Vielleicht hat sich das inzwischen wieder etwas gelegt, aber ich konnte davon tatsächlich nichts feststellen. In Westerland selbst ist mir nur ein einziger Platz aufgefallen, wo wohl den ganzen Tag eine größere Gruppe von 10-15 Herrschaften ihr Lager aufgeschlagen hatte. Was genau daran so ungewöhnlich sein soll, hat sich mir allerdings nicht erschlossen.

Nach ausgiebigem Mittagsschlaf bin ich mit dem Bus runter nach Hörnum gefahren, zum Abendessen im Sternerestaurant KAI3. Tolle Sache, wäre da nicht die merkwürdige Preisgestaltung gewesen. Zum Glück ließ sich der Abend noch retten, natürlich mit einem späten Besuch in Hardy´s Bar mit ihrem überragend sympathischen Bartender.


Auch am zweiten Tag sollte sich der Wind noch in Grenzen halten, und ich konnte wiederum eine längeren Marsch angehen. Statt nach Osten ging es heute nach Norden, allerdings nicht gleich nach dem Frühstück, da ich echt noch zu müde war :-) Wenn man Westerland in nördlicher Richtung verlässt, erreicht man schon kurz darauf den nächsten Ort, nämlich Wenningstedt. Der schönste Weg ist natürlich direkt am Strand entlang, aber auch hinterm Deich ist man schön im Grünen und dazu noch schön windgeschützt. Wenningstedt war auch sozusagen mein Tagesziel, genauer gesagt die dortige Strandpromenade. Die Promenade ist eine größere Holzkonstruktion und verläuft weit oberhalb des eigentlichen Strandes mitten durch bzw. über die Dünen. Tolle Aussicht natürlich inklusive, aber leider auch viele Treppenstufen. Nachdem ich dort oben lange genug gesessen hatte, um mir den ersten Sonnenbrand auf der Nase zu holen, ging es runter von den Dünen und rein in den kleinen Ort, wo ich zufällig den ebenso kleinen aber wunderschönen Dorfteich entdeckte und mich dort nochmals länger niederließ. Anschließend beim Bäcker noch zwei Teilchen verhaftet und immer der Hauptstraße folgend wieder nach Westerland. Mehr gibt es von diesem Tag eigentlich nicht zu berichten, außer vielleicht noch, dass ich abends zum leider letzten Mal die Gastfreundschaft von Franz Ganser genießen konnte, der sich zum Ende der Saison in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wird. Schade!


Der für Donnerstag angekündigte Sturm fiel am Ende nicht so stürmisch aus, wie ich es erwartet hatte, die Böen waren zwischenzeitlich aber schon ziemlich heftig. Für die Inselbewohner war es dagegen vermutlich eher eine leicht steife Brise - wenn überhaupt. Aber für mich und meinen gestörten Gleichgewichtssinn war das doch nicht so ideal, so dass ich abgesehen von einer kleinen Runde nach dem Frühstück den Tag überwiegend im Hotel verbrachte. Das war natürlich überhaupt kein Problem, da ich mir deutlich schlimmeres vorstellen kann, als gemütlich lesend im Kaminzimmer oder Bistro zu sitzen und den Tag ein wenig zu verbummeln. Und immerhin gab es wieder ein tolles Abendessen - dieses Mal in Kampen im Gogärtchen - und ich erweiterte in der Hotelbar meine bisher nur sehr geringen Erfahrungen mit dem Genuss von alkoholischen Getränken :-)


Bei deutlich besserem Wetter machte ich mich am Freitag nochmal zu einer kleineren Tour auf, und zwar mit dem Bus in den Norden der Insel, nach List. Vom Hafen aus kann man dort auf einer schönen Strandpromenade Richtung Süden laufen, wobei der Uferbereich nicht überall zugänglich ist (Natur- bzw. Küstenschutzgebiet). Durch ein kleines Dünengebiet mit vielen Ferienhäusern und -häuschen kommt man vom Strand wieder zurück an die Hauptstraße und kann von dort entweder weiterlaufen - oder aber wie ich einfach in den nächsten Bus nach Westerland steigen :-) Ich war ehrlicherweise nicht mehr so besonders motiviert und wollte den Rest des Tages gemütlich angehen. Eine kleine Runde über die Promenade in Westerland war natürlich noch drin, mitten durch die Stände und Zelte des Westerländer Winzerfestes - eine Veranstaltung, die ich dort geografisch bedingt jetzt eher weniger erwartet hätte. Das letzte Abendessen gönnte ich mir dann standesgemäß in Hardy´s Restaurant und lernte zum Abschluss der Tage auf der Insel, dass man einen ungeübten Gaumen doch recht schnell an den Geschmack von Alkohol gewöhnen kann :-)


Die letzte kurze Visite auf der Strandpromenade vor der Abreise war weniger wehmütig als sonst - mit dem Wissen nach Hause zu fahren, dass der nächste Arbeitstag nicht morgen, sondern erst in einem guten halben Jahr sein wird, macht es halt einfach ein wenig leichter :-) Die Heimreise verlief etwas holprig, da der Intercity bereits in Köln strandete und ich mit einem zusätzlichen Umstieg gut anderthalb Stunden später heimkam als geplant. Aber das konnte die Freude über einen wiederum mehr als entspannten und schönen Urlaub auf meiner Lieblingsinsel natürlich nicht trüben.