Sylt



Zeitraum:  Mittwoch 12. bis Sonntag 16.05.2021

 

Unterkunft:  Westerland, Hotel Stadt Hamburg

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, Bus, Bahn


Schon im letzten Jahr war die Hoffnung auf einen Sylt-Urlaub denkbar gering, und am Ende hatte es doch noch geklappt. Für dieses Jahr hatte ich die Reise schon längst abgeschrieben, bis dann die erfreuliche Neuigkeit kam: Sylt gehört zu einer der Modellregionen in Schleswig-Holstein, und die Inzidenzzahlen passten auch. Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig! Fast am meisten freute ich mich im Vorfeld auf die abendlichen Restaurantbesuche, die - um es vorweg zu nehmen - absolut grandios wurden. Zwar habe ich am Ende pro Abend im Schnitt über 100€ ausgegeben, aber es war mir jeden einzelnen Euro wert! Zum Hotel habe ich im letztjährigen Bericht bereits alles geschrieben, die Gastfreundschaft war auch heuer wieder überragend.

 

Die Anreise - sogar wieder direkt mit dem Intercity - verlief problemlos. Die Wetterprognosen für das verlängerte Wochenende waren eher bescheiden, aber direkt am Meer kann man das ja nie so genau vorhersagen. Die Sonne sah ich letztmals kurz vorm Hindenburgdamm, nicht ahnend, dass sie sich drei volle Tage vor mir verstecken sollte. Konkrete Ausflugsziele hatte ich nicht, es sollte auf jeden Fall auch einen Tag in den Ostteil der Insel gehen. 

 

Ankommen, einchecken, ab auf die Strandpromenade. Dort herrschte zwar Maskenpflicht (warum auch immer...), aber spätestens als ich auf die Nordsee blickte, war ich wirklich in Urlaubsstimmung. Keine Gedanken an Arbeit, Corona, whatever, sondern einfach nur in Ruhe die Nase in den Wind strecken und ein paar schöne Tage machen. Bis zum Abendessen waren es noch zwei Stunden, so dass ich eine größere Strecke am Strand entlanggelaufen bin. Ich laufe ja irgendwie gerne durch den Sand, da mir der Untergrund Sicherheit gibt - allerdings ist es auch sehr anstrengend, vor allem wenn man knöcheltief in den Sand einsinkt. Nach ein paar Kilometern ging es dann weg vom Wasser über den Deich zurück in die Stadt und ins Hotel. Abendessen (fantastisches 4-Gänge-Menü!) in Hardy´s Restaurant.


Für die Restaurantbesuche musste ein höchstens 24h alter und natürlich negativer Coronatest vorgelegt werden. Teststationen gab es in Westerland gefühlt alle 200 Meter, hier war man wirklich super auf die Touristen vorbereitet. Ich wählte die Teststation am Bahnhof und machte den Test immer direkt vor dem Frühstück. Ergebnis dann in die Corona-App übertragen und vorab an das abendliche Restaurant schicken - mehr Aufwand war nicht. Und dazu noch vor Ort jeweils mit der Luca-App einchecken, was dank überall prominent angebrachter QR-Codes absolut kein Problem war. 

 

Nach dem ersten tollen Frühstück fuhr ich mit dem Zug nach Morsum. Die Idee war, möglichst weit Richtung östliches Ende der Insel zu laufen und dann am Wasser entlang bis nach Keitum. In Morsum angekommen, ging es einmal quer durch den Ort mit seinen vielen alten und neuen fast ausschließlich reetgedeckten Häuschen und Häusern. Wohn- und Ferienhäuser hielten sich dabei gefühlt die Waage, jedenfalls alles sehr schön anzuschauen. In östlicher Richtung ging es raus aus Morsum zum Morsum-Kliff. Ich bin ja kein großer Naturkundler und verzichte daher auf längere Ausführungen zu den verschiedenen Gesteinsformationen und wie und warum die da so sind, wie sie sind. Ungefähr in der Mitte des Kliffs führt ein Weg auf Holzplanken durch die Heideflächen bis direkt an die Kliffkante. Dort entdeckte ich einen Aussichtspunkt samt Bank, ungefähr 20 Meter über dem Wasserspiegel. Ich war mutterseelenallein und hörte nur noch Wind und Meer - genial! Wenn es wenigstens ein paar Grad wärmer gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich den halben Tag an dieser Stelle verbracht :-) So ging es aber nach einer halben Stunde weiter; ich wollte runter vom Kliff direkt ans Ufer, wo laut Karte ein Wanderweg bis nach Keitum (und natürlich noch weiter) führte. Der "Abstieg" über abenteuerliche Pfade mitten durch die Dünen war eine verwegene Idee, aber ich habe es tatsächlich unfallfrei nach unten geschafft. Der Blick von unten auf das Morsum-Kliff mit den vielen verschiedenen Farben (im Wikipedia-Artikel steht ungefähr, wie die zu Stande gekommen sind) war die Mühe auf jeden Fall schon wert. Der Weg am Ufer entlang lief sich eigentlich ganz gut - wenn auch ziemlich nass - allerdings hatte ich von oben schon einige unschöne Abschnitte gesehen. Schließlich stand ich dann vor einem etwa 25 x 25 Meter großen Schlammloch (Wattloch?), welches man nirgends umlaufen konnte. Jetzt machte auch das unterwegs öfter gesichtete Warnschild "...selbst mit Gummistiefel oftmals nicht passierbar" Sinn. Gut, neue Schuhe und neue Hose waren sowieso in Planung, mein größtes Problem war aber, in dem tiefen Schlamm das Gleichgewicht zu behalten. Lange Rede kurzer Sinn: Es ging irgendwie, aber fragt nicht wie ich danach aussah :-) Der weitere Weg Richtung Keitum war dann nicht mehr so spektakulär, und vor allem zog er sich länger als gedacht. Die zwischenzeitliche Hoffnung, vielleicht bis Westerland durchlaufen zu können, war jedenfalls schnell verflogen, es ging von Keitum aus mit dem Zug zurück.

 

Nach ausgiebiger Schuhreinigung und ebenso ausgiebigem Mittagsschlaf ging es abends ins ganz ausgezeichnete Restaurant Franz Ganser.


Das Wetter war am Freitag leider genauso bescheiden wie am Donnerstag, nur noch etwas kühler. Geplant war für den Tag eine Tour rund um die Südspitze der Insel, also die sogenannte Hörnum-Odde. Dass man diese nur bei Niedrigwasser umrunden kann, war mir gar nicht so bewusst gewesen, aber ich hatte Glück, und es herrschte tatsächlich gerade Ebbe. Es ging also mit dem Bus bis nach Hörnum, wo ich zunächst auf die kurze Strandpromenade lief. Mir kamen die Bilder vom letzten Jahr in Erinnerung, als ich dort bei strahlendem Sonnenschein und knapp 20° im Strandkorb saß - gewaltiger Unterschied zum heurigen Wetter! Am Ende der Promenade ging es direkt auf den Strand, der im weiteren Verlauf völlig naturbelassen ist. Für das Auge schön, für meine Füße eher weniger. Wie bereits geschrieben, mag ich es prinzipiell, durch den Sand zu laufen. Allerdings geht das deutlich zu Lasten der Reichweite, da 1 km durch tiefen Sand für mich gefühlt 3-4 km auf festem Untergrund sind. Entsprechend bald war ich ziemlich geschlaucht und auf der Suche nach einer Sitzgelegenheit - was sich als schwierig herausstellte. Nachdem ich den südlichsten zu Fuß erreichbaren Punkt (zumindest bei diesem Wasserstand) erlaufen hatte, fand ich zum Glück eine Dünenkante, die allerdings auch erstmal erklommen werden musste. Ähnlich wie tags zuvor saß ich hier völlig alleine mit Blick auf Föhr und Amrum - einfach schön! Spannend fand ich auch die Tatsache, dass die Hörnum-Odde früher ja viel größer war als nach den vielen sturmflutbedingten Landverlusten der letzten Jahrzehnte und die sich daraus ergebende Frage, ob ich wohl in 10 Jahren noch am gleichen Platz sitzen könnte oder ob hier dann quasi schon die Nordsee wäre. Nach längerer Pause ging es weiter Richtung Westen und mitten durch die zum Küstenschutz dort aufgestellten riesigen Tetrapoden. Der Vergleich ist natürlich weit hergeholt, aber wenn man da so mittendurch stakst, erinnert es mich zumindest ein ganz klein wenig an das Berliner Holocaust-Mahnmal. Inzwischen meldeten sich meine Beine und legten mir nachdrücklich nahe, so langsam wieder landeinwärts zu laufen. Durch die nächste Lücke ging es also weg vom Strand in die weitläufigen Dünen südlich von Hörnum. Hier sind kreuz und quer jede Menge (Ferien-)Häuser verstreut, die teilweise nur auf eher abenteuerlichen Wegen erreichbar sind. Um zurück in den Ort zu gelangen, musste ich noch einige Höhenmeter überwinden, was aber dazwischen mit tollen Ausblicken auf Dünen und Nordsee belohnt wurde. Von der reinen Wegstrecke her war die Tour gar nicht mal so lang, aber ich war doch ziemlich kaputt, als ich wieder die Bushaltestelle erreichte. Ideal wären jetzt ein paar ruhige Stunden im Strandkorb gewesen, aber dafür war es deutlich zu kalt. Also mit dem Bus zurück nach Westerland und ins Hotel.

 

Was hilft gegen Müdigkeit? Genau, ein Mittagsschlaf :-) Hatte am Tag davor ja auch schon wunderbar geklappt. Das frühe Abendessen gab es dann im Block House - sehr leckeres Steak! Anschließend noch eine gemütliche Zeit in der Hotelbar mit ihren tollen Cocktails.


Ganz im Osten von Sylt war ich, an der Südspitze auch, einen westlichsten Punkt gibt es ja strenggenommen nicht - fehlte also nur noch der Norden. Hier sollte es dann am Samstag hingehen, genauer gesagt zum Ellenbogen. Mit dem Bus ging es zunächst nach List und dann weiter in Richtung Weststrand, wo ich immerhin schon mal an der nördlichsten Bushaltestelle Deutschlands ausstieg. Der Weg auf den Ellenbogen führt über eine alte Panzerstraße - lagebedingt wurde der nördliche Teil der Insel Sylt lange Zeit militärisch genutzt - was mich schon sorgenvoll an fehlende Sitzgelegenheiten denken ließ. Hinzu kam das nun wirklich lausige Wetter: leichter Nieselregen, einstellige Temperaturen, Wind - brrr... Aber zumindest den nördlichsten Punkt Deutschlands wollte ich erreichen und machte mich tapfer auf den Weg. Dieser führte u. a. mitten durch eine Schafherde, wobei Mensch und Tiere brav den in Coronazeiten unabdingbaren Mindestabstand einhielten :-) Wie schon befürchtet, fand sich unterwegs keinerlei Möglichkeit zum Pausieren. Normalerweise kann ich 2-3 km am Stück laufen, bevor ich eine Pause einlegen muss, da spätestens dann die Rückenschmerzen zunehmen und ich vor allem außer Atem bin (skoliosebedingte Verkrümmung der Wirbelsäule -> deutlich eingeschränktes Lungenvolumen -> schnell aus der Puste). Einfach auf den Boden setzen kommt nicht in Frage, da ich weder runter und schon gar nicht ohne fremde Hilfe wieder hochkäme. Aber wie auch immer... Schon einigermaßen geschafft erreichte ich dann den Leuchtturm List West und erkletterte die Düne, wo ich mich endlich niederlassen konnte. Der Blick aufs Meer war einmal mehr grandios, wenn man auch wetterbedingt nicht so wahnsinnig weit in die Ferne schauen konnte. Bis zum nördlichsten Punkt Deutschlands wären es von hier noch knapp anderthalb Kilometer gewesen. Problem dabei: An der Stelle, wo ich mich gerade befand, war die Düne viel zu steil, um direkt runter ans Wasser zu laufen. Ich hätte also erstmal wieder zurück zur Panzerstraße und dann weiter nach Osten laufen müssen, um einen geeigneten Übergang zum Ufer zu finden. Das war aber beim besten Willen nicht mehr drin, schließlich musste ich ja so oder so auch noch zur Bushaltestelle zurückmarschieren. Also lautete die Parole: kehrt Marsch! Ein kleiner Umweg auf die Aussichtsplattform am Weststrand war aber noch drin, wo sich letztmals ein toller Blick auf die Nordsee bot. Mit dem Bus ging es dann erstmal wieder nach List, wo ich noch ein wenig durch den Hafen geschlendert bin, samt Mittagssnack in Form eines Krabbenbrötchens, natürlich von Gosch. Anschließend mit dem Bus wieder nach Westerland, wo ich einige Haltestellen vor dem Bahnhof ausgestiegen bin, um noch einmal die Strandpromenade abzulaufen. Übrigens fing es hier dann zum wiederholten Male an zu regnen.

 

Als ich mich nach der Mittagsruhe zum Restaurant Tellerrand aufmachte, konnte ich es fast nicht glauben: Sonnenschein! Also nach dem - sehr leckeren - Essen doch nochmal an den Strand und noch ein paar schöne Bilder von der untergehenden Sonne gemacht. 


Am nächsten Morgen wurde dann nochmal sehr ausgiebig gefrühstückt und dann leicht schweren Herzens die Heimfahrt angetreten. Mit dem Intercity ging es direkt bis nach Mainz und dann mit dem RE nach Worms.

 

Alles in allem waren es tolle Tage auf Sylt mit vielen schönen Eindrücken und fantastischem Essen. Nur das Wetter konnte da nicht ganz mithalten, das muss nächstes Jahr besser werden! :-)