Ostfriesland



Zeitraum:  Mittwoch 02. bis Sonntag 06.06.2021

 

Unterkunft:  Hooksiel, Hotel Packhaus

 

An- und Abreise:  Auto

 

vor Ort:  zu Fuß, Auto, Fähre, Bahn


Man sagt ja, dass Menschen aus ihren Fehlern lernen können. Auf mich trifft das nur sehr eingeschränkt zu, aber hier hatte ich mal einen lichten Moment. Im vergangenen Jahr (und auch davor) bin ich zwecks Einsparung eines Urlaubstages immer erst nach der Arbeit nach Ostfriesland gefahren, entsprechende Staus und sonstigen Stress inbegriffen. Das wollte ich mir heuer nicht geben, zumal ich für den Anreisetag im Hotel ja auch einen aktuellen Negativtest vorweisen musste. Zum Thema Corona und Testen vielleicht gleich mal allgemein: Im Vergleich zu den Tagen auf Sylt wurde das in Ostfriesland alles viel viel lockerer gehandhabt. Liegt natürlich auch daran, dass die Regelungen zum Glück inzwischen weniger streng sind und man die Gastronomie in Niedersachsen drinnen wie draußen ohne Vorlage eines Tests nutzen kann. Die Inzidenz im Landkreis Friesland schwankte in den Tagen meines Aufenthaltes übrigens zwischen 1 und 3,5! 

 

Es ging also bereits um kurz nach 5 auf die Reise, was mich den morgendlichen Berufsverkehr im Rhein-Main-Gebiet umschiffen ließ, und auch später im Ruhrgebiet war es sehr entspannt - schon kurz nach 8 war ich auf dem ersten Parkplatz des Ostfriesenspießes, wo es die Frühstückspause gab. Kurz vor Mittag kam ich in Norden an, wo ich mich testen ließ (bzw. den Test unter Aufsicht selbst durchführte) und in Gittis Grill einen Imbiss nahm. Wer den Bericht vom letzten Jahr gelesen hat und/oder mein Faible für Klaus-Peter Wolf und seine Ostfriesenkrimis kennt, wird verstehen, warum ich das hier extra erwähne :-) Nach kleinem Verdauungsspaziergang in Norden ging es dann weiter nach Hilgenriedersiel - wie im letzten Jahr erst auf die Bank oben auf dem Deich (leider ganz ohne Schafe :-( ) und dann an den wunderschönen Naturstrand. Spätestens hier in der absoluten Ruhe war ich endgültig in Urlaubsstimmung. Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Einchecken im Hotel, kurze (Nach)mittagsruhe und dann das erste leckere Abendessen in Dornumersiel bei Käthe&Karl.


Für den Fronleichnamstag (kein Feiertag in Niedersachsen!) war der Besuch von Jever und Wilhelmshaven geplant. U. a. zur Erkundung von Wilhelmshaven hatte ich ja ein Hotel im Osten von Ostfriesland als Unterkunft gewählt, da ich mich in den Vorjahren mehr westlich orientiert hatte. Jever verfügt über eine hübsche kleine Altstadt mit engen Gassen und den von mir so sehr geschätzten Backstein- und Fachwerkhäusern. Prominent gelegen mitten in der Stadt das Schloss Jever, dessen es umgebender Schlossgarten allerdings noch nicht geöffnet hatte. Auf meinem wie üblich ziellosen Weg durch die Stadt kam ich natürlich auch an der bekannten Brauerei vorbei, die man von außen allerdings auch leicht für einen Bürokomplex halten könnte. 

 

Mit dem Auto ging es weiter nach Wilhelmshaven, wo ich eine größere Runde drehen wollte, vor allem natürlich - nomen est omen - rund um das Hafengelände. Über die lange Weserstraße mit ihren teils sehr stattlichen alten Häusern erreichte ich den sog. Großen Hafen, der hier gleichzeitig auch Ems-Jade-Kanal ist. Der Panoramablick über das Hafengelände ist schon beeindruckend, auch wenn sich natürlich die Bebauung in den letzten Jahrzehnten wie andernorts auch stark verändert hat: Lofts und Gastronomie anstelle von Handel und Industrie. Für den geneigten Spaziergänger ist es heute natürlich angenehmer. Weiter dann zu dem Wahrzeichen der Stadt: der Kaiser-Wilhelm-Brücke. Aus meiner Erinnerung heraus würde ich sagen, dass ich zuvor noch nie über eine große Drehbrücke gelaufen bin. Dementsprechend dachte ich mir noch, wie spannend es wäre, die Brücke evtl. im geöffneten bzw. gedrehten Zustand zu sehen. Von der Brücke hat man auch den besten Blick auf das große Marinemuseum, mit dem Zerstörer Mölders als markantestem Ausstellungsstück. Auf dem Deich entlang bin ich noch bis zum Helgolandkai gelaufen und anschließend in die andere Richtung zurück - der Plan war, über den Grodendamm und die Deichbrücke wieder zurück in die Innenstadt zu marschieren. Dazu ging es natürlich auch wieder an der Kaiser-Wilhelm-Brücke vorbei, die sich tatsächlich genau in diesem Moment zu drehen begann. Schön! Allerdings war weit und breit kein Schiff zu sehen, so dass es sich mutmaßlich-vermutlich um eine Testdrehung (?) oder eine touristische Vorführung (?) handelte... habe aber dazu keine näheren Anhaltspunkte. Bevor es in die Innenstadt ging, wollte ich natürlich auch noch ein paar Bilder von der Deichkrone machen, was aber seenebelbedingt nicht ganz so ergiebig war. Vorbei am Hauptbahnhof, der im Prinzip ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss ist, lief ich über den Kaiser-Wilhelm-Platz (große Grünanlage), wo man auch des für die Stadt namensgebenden Kaiser-Wilhelms-Denkmals ansichtig wird. Zum "Mittagessen" gab es einen leckeren Eisbecher, bevor zunächst mal die Fahrt zurück zum Hotel angetreten wurde. Mittagsschlaf war angesagt, das hatte auf Sylt auch immer wunderbar funktioniert :-) Für das Abendessen fuhr ich dann noch einmal quer durch Ostfriesland bis nach Norden zum Restaurant Smutje, wo es allerdings zu meinem Entsetzen kein Klaus-Peter-Wolf-Menü gab. Unfassbar! Im Prinzip fehlte ja nur der Nachtisch, aber schade war es allemal (zum Glück trotzdem lecker).


Zu einem Urlaub in Ostfriesland gehört für mich unbedingt auch ein Tag im Strandkorb. Dafür wählte ich den Freitag und hatte tatsächlich schon wieder eine gute Idee: Da ich bekanntlich ein sehr ruhebedürftiger Mensch bin, kam mir folgende Überlegung: Suche dir einen Grünstrand (Horumersiel), denn Grünstrand heißt kein Sand, kein Sand heißt keine (oder zumindest nur wenige) Kinder, keine Kinder bedeutet mehr Ruhe. Sowas darf man ja eigentlich gar nicht laut sagen oder gar schreiben, aber hier in meinem Blog gelten meine Regeln :-) Gesagt getan, den Strandkorb per App gebucht und das Schloss ebenfalls mit der App geöffnet - moderne Technik machts möglich. Es zeigte sich schnell, dass meine Wahl ausgezeichnet war, denn ich war tatsächlich fast den ganzen Tag allein, von den geschätzt 200 Strandkörben in diesem Abschnitt waren allenfalls 10 besetzt, und zwar nur von friedlichen, d. h. leisen Menschen. So genoss ich acht sehr entspannte Stunden und nutzte diese zum Lesen, zum Nachdenken, zum Nickerchen machen und natürlich zum Beobachten der Gezeiten. Als ich kurz nach 8 ankam, war gerade Flut, und ich war schon gespannt darauf, wie weit sich das Meer zurückziehen würde. An den Bildern kann man ungefähr erkennen, dass es tatsächlich sehr weit war - immer wieder beeindruckend zu sehen!

 

Warum genau ich für das Abendessen dann ein Restaurant im immerhin wieder 70 km entfernten Greetsiel gewählt habe, weiß ich leider nicht mehr. Wobei es sich letztlich gelohnt hat, da das Essen im Captains Dinner ganz ausgezeichnet war und ich so auch die Gelegenheit hatte, noch eine kleine Runde durch das schöne Städtchen zu drehen. Auf dem Heimweg ging es dann noch kurz beim schon aus dem Vorjahr bekannten Leybuchtsiel vorbei, wo ich allerdings auch wieder keine Schafe zu Gesicht bekam, dafür aber einen schönen Sonnenuntergang.


Am Samstag sollte es dann auf die Insel Wangerooge gehen. Geplant war eigentlich ein Spaziergang ungefähr einmal rund um die Insel, zumindest soweit das wegetechnisch möglich war. Der Wetterbericht änderte sich in den Tagen zuvor alle paar Stunden, und ich hatte in den letzten Jahren ohnehin die Erfahrung gemacht, dass Vorhersagen umso weniger zuverlässig sind, desto näher man am Meer ist. Vorsichtig optimistisch ging es also mit der Fähre auf die Insel und mit der Inselbahn (die witzigerweise zu "DB Fernverkehr" gehört) ins Dorf. Ich war noch nicht ganz mit beiden Beinen aus dem Waggon, als es zu regnen anfing. Und zwar richtig, und anhaltend, und gleich für die nächsten zweieinhalb Stunden... Das Thema Inselspaziergang hatte sich damit nachhaltig erledigt, und es musste ein neuer Plan her. Dafür ging es zunächst ins Cafe Pudding, wo es einen Ostfriesentee und - natürlich! - einen Pudding gab :-) Da ich für den langen Spaziergang Gewicht sparen wollte, fehlte in meinem Rucksack das eigentlich unvermeidliche Buch. Also anschließend in den Buchladen, nochmal den neuen Klaus-Peter Wolf gekauft und weiter ins nächste Café. Bis zur Rückfahrt um 17.30 Uhr waren es ja "nur noch" fünfeinhalb Stunden... Diese verbrachte ich dann abwechselnd in verschiedenen Bars, Cafés und einem Eiscafé - nicht gut für die Figur, aber immer noch besser als ständig pudelnass zu werden. Ich habe dann zwar noch zu einer kleinen Runde angesetzt, aber da es a) immer mal wieder zu tröpfeln begann und vor allem b) die Straßen und Wege ziemlich glitschig waren, habe ich es irgendwann aufgegeben. Nun soll man ja übers Wetter nicht meckern, da man es ohnehin nicht ändern kann, aber ich war zugegebenermaßen ganz schön gefrustet. Selbst auf der Rückfahrt regnete es noch, so dass das Oberdeck der Fähre leer blieb und sich die Passagiere unter zwangsweiser Missachtung sämtlicher Abstandsregeln auf den Unterdecks drängelten - zum Glück gab es wenigstens keine Maskenmuffel.

 

Was kann einen solchen eher blöden Tag noch retten? Richtig: ein gutes Abendessen! Zu diesem Zwecke fuhr ich nach Wiesmoor ins Restaurant "Hotel zur Post". Es gab einen sehr schönen Vorspeisenteller, ausgezeichneten Schellfisch und zum guten Schluss eine Sinbohntjesopp. Da ich ja grundsätzlich keinen Alkohol trinke, war letzteres vermutlich keine so tolle Idee, aber naja... jedenfalls fand der Tag noch einen versöhnlichen Abschluss!


Und dann war es leider schon Sonntag, Heimreisetag. Unter Inkaufnahme eines längeren Staus auf der Rückfahrt (der mich letztlich anderthalb Stunden kostete) verzichtete ich auf das frühe Frühstück im Hotel. Stattdessen fuhr ich nochmal einen längeren Umweg nach Norden ins schönste Café, das ich kenne: Cafe ten Cate! Hier gab es dann den krönenden Abschluss der schönen Tage in Form eines ausgiebigen Frühstücks, natürlich inkl. Ostfriesischer Teezeremonie, die ich inzwischen auch schon ganz gut beherrsche :-) Gut gestärkt und mit Reiseproviant (Marzipanseehunde und Deichgrafkugeln) ausgestattet, trat ich dann die lange Rückfahrt an.