Ostfriesland



Zeitraum:  Mittwoch 10. bis Sonntag 14.06.2020

 

Unterkunft:  Dornum, Hotel Herrlichkeit

 

An- und Abreise:  Auto

 

vor Ort:  zu Fuß, Auto


(geschrieben am 22.12.2020)

Auch bei diesem Bericht bitte ich um Verständnis für so manche Lücke, aber es ist halt schon eine Weile her...

 

Ostfriesland! Die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals aus Worms wegziehe, liegt ja ungefähr bei Null. Aber wenn, dann wäre Ostfriesland wohl die erste Gegend, die für mich in Frage käme. Zuerst kennengelernt habe ich die Landschaft durch die fantastischen Ostfrieslandkrimis des ebenso fantastischen Klaus-Peter Wolf. Seine Beschreibungen der Landschaft, der Leute und natürlich auch des kulinarischen Angebotes führten mich 2019 schon zweimal nach Ostfriesland. Also war klar, dass es auch 2020 wieder nach da oben gehen musste. Untergebracht war ich erneut im sehr gemütlichen Hotel Herrlichkeit in Dornum, wo man echt ostfriesische Gastlichkeit genießt. Los ging es direkt nach der Arbeit auf die immerhin 530 km von Mainz nach Dornum. Ich bin besser durchgekommen als die beiden Male 2019, es gab wohl nur einen ganz kleinen Stau kurz vor Beginn des Ostfriesenspießes. Erfreulicherweise kam ich noch halbwegs im Hellen in Ostfriesland an und konnte die Gelegenheit nutzen, noch schnell meinen letztes Jahr zufällig entdeckten Lieblingsort aufzusuchen: Den Deich hinter Hilgenriedersiel. Seeseitig erreicht man hier nach etwa 1,5 km den einzigen Naturstrand an der Küste von Ostfriesland. Besagter Lieblingsort ist eine Bank direkt oben auf dem Deich. "Bevölkert" war der Deich hier von vielen Kühen und noch viel mehr Schafen, man war also nicht allein :-) Und was soll ich sagen... es ist Natur und Ruhe pur! Man sitzt auf der Bank, es pfeift - wie immer - der Wind (aber nicht unangenehm, da recht warm), und außer dem Wind hört man nur das Geräusch der Gras futternden Schafe. Und die Weite der Landschaft trägt das ihre dazu bei. Als Mensch, der am liebsten seine Ruhe hat, ist das für mich das wahre Paradies! Ich saß hier mindestens noch eine halbe Stunde, bis es dann langsam richtig dunkel wurde und ich zu meinem Hotel gefahren bin. Genau so hatte ich mir den Urlaubsauftakt vorgestellt.


Für den Donnerstag war leider Regen gemeldet, der dann auch tatsächlich kam. Vor dem Frühstück bin ich eine kleine Runde durch Dornum gelaufen, u.a. vorbei am (Museums-)Bahnhof der (ehemaligen) Ostfriesischen Küstenbahn. Der Urlaubstag begann wetterbedingt dann eigentlich erst am Nachmittag. Ich hatte - wie für die gesamte Reise - überhaupt keinen konkreten Plan und bin dann einfach in östlicher Richtung drauflosgefahren. Von den Besuchen im Vorjahr kannte ich ja schon einige Orte und habe mich dann für Neuharlingersiel entschieden. Bei immer noch anhaltendem aber erträglichen Regen bin ich etwas um den Hafen (von hier geht es mit der Fähre nach Spiekeroog) herumspaziert und dann rauf auf den Deich Richtung Westen. Der Strand von Neuharlingersiel ist flächenmäßig einer der größten in Ostfriesland und war trotz des nicht überragenden Wetters doch erstaunlich gut besucht. Vielleicht sind die Leute im Norden aber auch einfach nicht so empfindlich wie ich :-) Nach anderthalb Kilometern auf der Deichkrone ging es dann runter auf den Deichfuß und wieder zurück Richtung Hafen. Der Wind war gewaltig, die Eindrücke vom Meer aber auch. Ich hoffe, dass die Bilder es einigermaßen rüberbringen können. Die frische salzige Nordseeluft lässt sich mit Worten leider so gar nicht beschreiben, das muss man wirklich mal live erlebt haben. Nach zwei Stunden saß ich ordentlich durchnässt aber doch zufrieden wieder im Auto und machte mich auf den Weg nach Norden (die Stadt, nicht die Himmelsrichtung). Ziel war das mitten in der Fußgängerzone liegende legendäre Restaurant Smutje. Ganz selbstverständlich gab es dort das Klaus-Peter-Wolf-Menü, bestehend aus Tomatensuppe, Rinderroulade mit Apfelrotkohl und Kleikartoffeln und zum Abschluss Rote Grütze mit Vanilleeis. Dass ich keinen Ostfriesenkrimi zum Lesen dabeihatte, wurde mir zum Glück verziehen :-)


Am nächsten Tag war das Wetter zum Glück wieder besser. Erstes Ziel des Tages war wiederum Norden mit meinem persönlichen Highlight, dem Café ten Cate - natürlich bestens bekannt aus den Ostfrieslandkrimis. Ich finde es ohnehin so wunderbar spannend, wenn man in Büchern von bestimmten Orten liest und diese dann irgendwann selbst mal besucht. Und besonders faszinierend wird es, wenn man an den Orten dann sogar die "echten" Personen trifft, die man zuvor im Krimi gelesen hat, so wie beim Café den Cate das Ehepaar Monika und Jörg Tapper. Das macht für mich einen Teil der Faszination der Bücher von Klaus-Peter Wolf aus - das "Einbauen" echter Personen in seine Geschichten. Nach einem wunderbaren Frühstück - natürlich inkl. Ostfriesentee - ging es auf einen Spaziergang durch Norden. Ganz ungeplant, durch die Fußgängerzone, vorbei am Doornkaat-Denkmal und an den beiden riesigen Mühlen am Eingang zur Innenstadt. Nach der Reihenfolge der Bilder bin ich anschließend wohl nach Norddeich weitergefahren. Hier bin ich dann etwas kreuz und quer durch den Hafen marschiert, vorbei an vielen alten und neuen Schiffen bis rauf auf den asphaltierten Deich, der den Hafen von Westen her schützt. Man kann hier wunderbar bis ganz nach vorne an die Hafeneinfahrt laufen und sich dort sogar direkt auf die Kante setzen. Hier bläst natürlich der Wind ziemlich heftig, aber es war ein ganz tolles Erlebnis.

 

Danach ging es zurück zum Auto. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass ich nach Greetsiel gefahren bin, wo es aber dermaßen brechend voll war, dass man vor lauter Menschen fast nicht durch den Ort fahren konnte, von einem Parkplatz ganz zu schweigen. (Solche Zeilen zu schreiben, während man jetzt im zweiten Lockdown gottweißwielange überhaupt nichts mehr unternehmen kann, ist schon seltsam...) Also bin ich wieder zurückgefahren zu einer Stelle, die mir auf der Hinfahrt aufgefallen war: die Mündung des Norder Tiefs am Leybuchtsiel. Hier konnte man eine lange Strecke auf dem Deich oder am Deichfuß entlanglaufen, was ja naturschutzbedingt in Ostfriesland an nicht so vielen Stellen möglich ist. Also rauf auf den Deich und mitten in die Schafe :-) Für mich als Städter natürlich immer ein besonderes Erlebnis, vor allem wenn man wirklich direkten Kontakt zu den Tieren hat, ohne Zaun und alles. Inzwischen war es wohl um die 30° warm geworden, aber am Wasser und bei dem Wind merkt man das zum Glück nicht so. Ich saß dann wieder eine halbe Stunde oben auf dem Deich und habe einfach nur die Ruhe genossen. Irgendwann will man gar nicht mehr weg... 

 

Der Vorteil am Sommer sind ja nicht zuletzt die langen Tage. Da ich bis zum Abendessen noch einige Stunden Zeit hatte und die Füße auch noch ganz gut mitmachten, bin ich dann noch zum Schlosspark Lütetsburg gefahren, auch dieser natürlich bekannt aus den Ostfrieslandkrimis. Zu den Eindrücken will ich garnicht mehr viel sagen, schaut euch einfach die Bilder an! Zum Abendessen gab es dann einen wie gewohnt fantastischen Fischteller im Restaurant Käthe & Karl.


Natürlich gehört (zumindest für mich) zu einem Urlaub in Ostfriesland auch ein Tag im Strandkorb. Wie schon im Jahr davor wählte ich dafür den Strand von Neßmersiel, von wo aus man Baltrum mit der Fähre erreichen kann. Der Strand von Neßmersiel ist nicht so groß wie an anderen Orten, dafür kann man hier besonders toll die Gezeiten beobachten. Auch hier mag sich der Küstenbewohner denken, dass dies doch nichts besonderes ist - für mich aber schon! Wenn man dort viele Stunden verbringt und beobachtet, wie wahnsinnig weit sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, ist das schon ein tolles Erlebnis. Die Leute (ich natürlich nicht) sind teilweise Hunderte Meter durch das Watt nach draußen gestapft, bis an Stellen, die einige Stunden später metertief im Wasser lagen. Die Gezeiten sind für mich einer der eindrucksvollsten Belege dafür, welche Kräfte in der Natur stecken. Und dem Meer zuzuschauen und zuzuhören, ist nebenbei bemerkt auch unheimlich entspannend. Gegen Nachmittag bin ich dann nochmal nach Hilgenriedersiel gefahren und habe mich (endlich!) getraut, auch mal den Weg bis an den Naturstrand zu laufen. Naturstrand - also kein Sand, sondern einfach nur eine kleine Abbruchkante der Landschaft, dann Watt, dann Wasser. Und vor allem: fast keine Menschen :-) Ich saß hier noch mindestens anderthalb Stunden direkt am Wasser, Ohren auf Durchzug, Augen zu und die Ruhe spüren. Klingt vielleicht etwas schräg, aber ich fand diesen Ort wahnsinnig schön! So viel schöne Landschaft macht natürlich hungrig :-) Also ging es wieder nach Neuharlingersiel, und zwar ins Restaurant La Mer. wo es wieder lecker Fisch gab.


Vom Abreisetag gibt es keine Bilder, was mich vermuten lässt, dass ich direkt nach dem Frühstück schon nach Hause gefahren bin. Ich weiß es leider nicht mehr genau.

 

Alles in allem waren es ein paar wunderschöne Tage und ganz bestimmt nicht mein letzter Urlaub in Ostfriesland!