Lutherstädte Wittenberg und Eisleben



Zeitraum:  Freitag 25. bis Samstag 26.06.2021

 

Unterkunft:  Dresden, Intercity-Hotel

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, Bahn, Straßenbahn, Bus


Die letzten Tage meiner BahnCard 100 standen an, und es ergab sich natürlich die Frage, was ich zum Abschluss noch schönes unternehmen könnte. Der letzte Tag fiel auf einen Samstag, also nahm ich mir den Freitag frei, um quasi nochmal ein komplettes Wochenende zu haben. Nach längerem Überlegen entschied ich mich erst donnerstags für die beiden Lutherstädte (und Weltkulturerbe) Wittenberg und Eisleben. Theoretisch sind die mit der Bahn auch beide an einem Tag zu schaffen, aber das war mir letztlich zu stressig, zumal ich mich gesundheitlich nicht besonders wohlfühlte (Schlafmangel und Müdigkeit...). Da ich selbst in einer Lutherstadt wohne, war das Reiseziel naheliegend, auch wenn ich ja weder religiös noch religionsgeschichtlich bewandert bin. Letztlich war es wieder so eine "Da-muss-man-mal-gewesen-sein-Tour"...

 

So ging es also am Freitag zunächst in die Lutherstadt Wittenberg; Anreise über Mannheim und Frankfurt. Wie schon in den Wochen zuvor, zeigte sich der Trend, dass die Züge wieder deutlich voller werden. An einem Werktag ist auch die 1. Klasse meistens gut besetzt, vorwiegend mit Geschäftsreisenden - so saß in der Reihe neben mir ein schwäbischer Bürgermeister, allerdings konnte ich seinen diversen Telefonaten nicht entnehmen, aus welcher Stadt. Dass er Bürgermeister ist, hat er aber in ca. jedem dritten Satz erwähnt :-) In Wittenberg angekommen, ging es direkt in die Altstadt, in der sich auch die ganzen Welterbestätten befanden. Die meisten liegen an der Collegienstraße, die auch als Fußgängerzone fungiert. Was mir direkt auffiel, war zum einen der hervorragende Bauzustand der allermeisten Gebäude - hier wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten wohl gewaltig investiert, und die ganze Innenstadt machte einen gepflegten Eindruck. Für den Touristen außerdem interessant und vorbildlich die vielen ausführlichen Wegweiser, Erklärtafeln (findet ein besseres Wort und schickt es mir :-) ), natürlich zeitgemäß mit QR-Codes zu weiteren Infos. Erste Hingucker waren das Lutherhaus und das Melanchthonhaus - letzteres für mich von besonderer Bedeutung, da ich die ersten fünf Lebensjahre in der Melanchthonstraße gewohnt habe. Auch sonst rechts und links der Straße viele alte Häuser, größtenteils durch Geschäfte genutzt (keine Leerstände!). Nach einigen hundert Metern erreichte ich dann den zentralen Marktplatz mit Rathaus und Denkmälern von Luther und Melanchthon. Hier war es dann auch schon Zeit für ein kleines Mittagessen, welches ich in einem der wunderschön restaurierten Cranach-Höfe einnahm. Die Idee dahinter war u. a., vielleicht doch noch etwas fitter zu werden, was aber leider nicht passierte. Mein ursprünglicher Plan, nach einer Runde durch die Altstadt noch eine weitere durch die großen Wittenberger Grünanlagen zu drehen, war damit schon erledigt. Weiter ging es also zum vermutlich bekanntesten Bauwerk Wittenbergs, der Schlosskirche. Diese weist eine wirklich außergewöhnliche Bauform auf, sie ist nämlich praktisch ein Seitenflügel des Wittenberger Schlosses und baulich mit diesem verbunden. War mir völlig unbekannt und habe ich in dieser Form so auch noch nicht gesehen. Der Kirchturm sieht eher aus wie ein Wasserturm und gehörte baulich lange Zeit auch mehr zum Schloss als zur Kirche. Aus allen Blickwinkeln jedenfalls ein total spannendes Gebäude. Betreten kann man die Kirche nur über den Innenhof des Schlosses, und von dort geht es erstmal eine Etage tiefer - was man von außen so gar nicht vermuten würde. Meine Beschreibung klingt vermutlich ziemlich verquer, fahrt am besten selbst hin und schaut es euch an :-) Nach kurzem Rundgang durch die Kirche ging es dann einmal außen herum über die Schlosswiese, bis ich schließlich vor der berühmten Tür stand, an die Luther angeblich seine 95 Thesen genagelt hat. Damit war es auch schon wieder Zeit für den Rückweg, der mich wieder in die Altstadt führte, vorbei an weiteren interessanten Gebäuden und bis zur großen Stadtkirche. Von hier ging es dann mehr oder weniger auf geradem Weg zurück zum Bahnhof, wobei ich noch an der Luthereiche vorbeikam - der einzig wahre Lutherbaum steht natürlich weiterhin nur in Worms! :-)

 

Damit war der Ausflugsteil des Tages abgeschlossen und es ging in Richtung Nachtquartier, nämlich nach Dresden. Für Dresden gilt - zumindest für mich - das gleiche wie für Berlin: geht immer! Also wieder in den Zug. Da ich wirklich keine Energie für einen größeren Rundgang hatte, vertrödelte ich noch etwas Zeit in den DB Lounges in Leipzig und Dresden. Von den momentan 15 Lounges fehlen mir jetzt nur noch die in Essen, Hamburg, Nürnberg und am Frankfurter Flughafen, aber das nur am Rande. Jedenfalls war das Abendessen im Restaurant Ayers Rock dann nochmal ein schönes Highlight eines insgesamt spannenden Tages.


Die Recherche nach einer Bahnverbindung von Dresden nach Eisleben ergab eine Streckensperrung kurz hinter Halle. Auf Schienenersatzverkehr mit dem Bus hatte ich nicht wirklich Lust, schließlich heißt das Ding ja BahnCard und nicht BusCard. Also ging es mit dem ersten ICE des Tages (Abfahrt 6.20 Uhr) zunächst nach Erfurt. Von hier wäre der kürzeste Weg die Strecke nach Sangerhausen (und dann weiter nach Eisleben) gewesen, aber der Anschluss passte leider überhaupt nicht. Daher ein weiterer Umweg über Leinefelde; letztlich waren es von Dresden nach Eisleben dann über fünf Stunden. 

 

Vom Bahnhof der Lutherstadt Eisleben ins Zentrum ist es schon ein ganzes Stück, da der Bahnhof weit oberhalb der Stadt liegt. Also erstmal steil bergab durch den Stadtpark und ein Wohngebiet. Im Vergleich zu Wittenberg kann Eisleben aus meiner Sicht nicht mithalten - subjektive Meinung! Zumindest die Teile der Stadt, die ich gesehen habe, waren bei weitem nicht so gepflegt. Allerdings ist Eisleben auch wesentlich kleiner und hat auch nicht die ganz großen touristischen Highlights zu bieten. Aber immerhin ist es die Geburts- und Sterbestadt von Martin Luther und darf sich daher wohl zurecht auch Lutherstadt nennen. Das originale Geburtshaus ist schon vor über 400 Jahren abgebrannt. An seiner Stelle steht ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, welches auch ein kleines Museum beherbergt. Durch enge Gassen mit leider vielen geschlossenen Lokalen und Geschäften erreichte ich auf der Suche nach einem Mittagessen dann Marktplatz. Gut gestärkt (so dachte ich zumindest) mit Bratkartoffeln und Salat ging es weiter zu einem Gebäude, was sich Martin Luthers Sterbehaus nennt, es aber nach neuesten Forschungsergebnissen wohl gar nicht ist. Nach fast 500 Jahren ist sowas vermutlich auch echt nicht mehr leicht festzustellen. Direkt am Marktplatz bzw. darüber steht die große St.-Andreas-Kirche, die wegen Bauarbeiten allerdings nicht zugänglich war. Ja, und was soll ich sagen - das war es dann auch schon. Ich war hundemüde und hatte schlichtweg keine Lust mehr, noch groß weiterzulaufen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Zusammenhang mit Luther hatte ich allerdings auch schon alle "im Kasten". So ging es zur nächsten Bushaltestelle und mit dem Bus wieder hoch an den Bahnhof. 

 

Bekanntlich (oder auch nicht) steckt in mir ja ein kleiner Zahlenfetischist. Meine an diesem Tag ablaufende BahnCard 100 wollte ich dann wirklich bis zur letzten Minute ausnutzen und erst kurz vor Mitternacht wieder in Worms sein. Dabei ärgerte es mich schon gewaltig, dass ich gesundheitlich so schlecht beieinander war, sonst hätte ich mir noch spontan ein kleineres Ziel zum Besichtigen gesucht. Stattdessen ging es mit dem Zug zurück nach Leinefelde, und von dort über Kassel nach Heidelberg. Warum? Keine Ahnung um ehrlich zu sein :-) Ich habe mir in Heidelberg ein Restaurant gesucht und mit Don Robert sogar einen Glückstreffer gelandet - Tapas! Es reichte im Anschluss noch für ein paar Meter zu Fuß durch Heidelberg, bevor ich mit der Straßenbahn nach Mannheim gefahren bin. Halt Moment! Straßenbahn ist natürlich falsch. Die Linie 5 des RNV war früher mal (ja ich bin alt) die OEG und gilt auch nach Auflösung der Gesellschaft rechtlich noch immer als Eisenbahn. Erkennt man u. a. an den Signalen entlang der Strecke und am Dreilichtspitzensignal der eingesetzten Fahrzeuge. Aber ich schweife schon wieder ab.... Jedenfalls stieg ich in Mannheim in die S-Bahn um und war tatsächlich um 23.54 Uhr wieder in Worms. Nun denn...