Erfurt



Zeitraum:  Donnerstag, 30.12.2021 bis Samstag, 01.01.2022

 

Unterkunft:  Erfurt, InterCity Hotel

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, Bus, Bahn


Zum Jahreswechsel hatte ich spontan Lust auf einen Tapetenwechsel und entschied mich für ein paar Tage in Erfurt. Dass ich zu dieser Stadt eine etwas besondere Beziehung habe, hatte ich hier ja bereits geschildert, jedenfalls war es heuer mein zehnter Besuch in Erfurt. Ich hatte wie so oft keine besonderen Pläne und wollte einfach nur das milde Wetter dazu nutzen, ein wenig rumzuspazieren. Gesagt - getan, und so ging es direkt nach dem Einchecken los in die Altstadt. Ohne die Komoot-App auf dem Smartphone wüsste ich im Nachhinein tatsächlich nicht mehr, wo ich langgelaufen bin, zumindest nicht im Detail. Da es kein ausgesprochen touristischer Besuch war, spielt das aber eigentlich auch gar keine Rolle. Woran ich mich - leider - noch sehr gut erinnere, ist der unerwartete und unangenehme Sprühregen, der unterwegs einsetzte. Ordentlich durchnässt stand ich bei einsetzender Dunkelheit wieder auf dem Domplatz, wo mir nicht zum ersten Mal an diesem Tag die doch recht starke Polizeipräsenz in der Stadt auffiel. Nach dem unvermeidlichen Besuch in einer kleinen Buchhandlung war es auch bereits Zeit für das frühe Abendessen - ich hatte nämlich mächtig Kohldampf. Im Laufe der Jahre konnte ich in Erfurt bereits viele gute und sehr gute Restaurants kennen lernen. Mit an der Spitze meiner persönlichen Hitliste steht das El Mundo, in das es mich an diesem Tag verschlug. Wie immer gab es dort ausgezeichnete Tapas, siehe hierzu auch die Bilder. Zum Abschluss des Tages ging es dann nochmals über den Domplatz, wo ich das momentan in Deutschland weit verbreitete Phänomen eines "spontanen Spaziergangs" von mehreren Hundert Menschen beobachten konnte. Obwohl der Domplatz eigentlich gut ausgeleuchtet ist, hatten die meisten "Spaziergänger" wahlweise Kerzen, Lampen oder auch Fackeln dabei. Ein Großaufgebot der Polizei schützte die "Spaziergänger" vor... ja vor wem... oder doch eher die normalen Leute vor den "Spaziergängern"? Eine ziemlich bizarre Szene war es allemal... 


Für den Silvestertag hatte ich mir überlegt, endlich auch einmal den Erfurter Zoopark zu besuchen. Dieser sollte um 9 Uhr öffnen, so dass ich nach dem frühen Frühstück - um Punkt 6 :-) - noch etwas Zeit hatte. Da hätte man sich natürlich nochmal hinlegen können, doch dafür war ich eigentlich viel zu wach. Also Jacke an und spontan losmarschiert. Es ging nach Westen aus der Altstadt raus in die Brühlervorstadt und vorbei am Sitz des Bundesarbeitsgerichts in die Andreasvorstadt. Hier kam ich ungeplant am wunderschönen Gebäude der Gutenberg-Schule vorbei, die wohl leider für immer mit dem Amoklauf von 2002 verbunden werden wird. Inzwischen wurde es langsam hell, und da ich mich relativ gut auf den Beinen fühlte, wollte ich den Zoobesuch lieber auf die nächste Erfurt-Reise verschieben :-) Stattdessen ging es weiter durch größere Gründerzeitviertel, die mir in den ostdeutschen Städten - da meistens top renoviert - eigentlich immer sehr gut gefallen. Ich war dann im Stadtteil Ilversgehofen angekommen und folgte der Magdeburger Allee bis kurz vor den Bahnhof Erfurt Nord. Hier wechselte ich die Richtung und lief zunächst durch ein größeres Plattenbauviertel bis in die Johannesvorstadt. Mein spontan gesetztes Ziel "10 km vor 10 Uhr" hatte ich hier bereits erreicht, und zur Belohnung kam sogar die Sonne raus :-) Da ich in einem für meine Verhältnisse sehr ambitionierten Tempo unterwegs gewesen war, meldeten sich aber doch langsam die Beine (und vor allem der Rücken), so dass ich mich langsam auf den Rückweg gen Bahnhof machte. Dort angekommen und nach einem kleinen Imbiss bin ich dann noch etwas mit der Straßenbahn herumgefahren, um ansatzweise einer etwas älteren Idee zu folgen. Wie allseits bekannt ist, wurde in Ostdeutschland in den letzten 30 Jahren unheimlich viel in die Infrastruktur und den Gebäudebestand investiert. Dennoch gibt es in allen Städten zwischendrin noch immer riesige Brachflächen, Industrieruinen, Abbruchhäuser usw. Sowas ist für mich immer ein spannendes Fotomotiv, und so steuerte ich mit der Straßenbahn einige mir bekannte Objekte dieser Art an. In der unten anschließenden Galerie nur ein kleiner Auszug an Bildern. Als ich am frühen Nachmittag schließlich wieder das Hotel erreichte, ließ sich der Plan namens Mittagsschläfchen leider nicht umsetzen. Grund war ein im Hotelzimmer gegenüber alleingelassener Hund, dessen ununterbrochenes Gebelle mir bald ziemlich auf den Zeiger ging. Ich bin - nur falls das nicht ohnehin klar ist - ein ausgesprochener Tierfreund und dem Hund bestimmt auch nicht böse, aber an Schlaf war halt nicht zu denken. Also ging es leicht gefrustet wieder in die Altstadt, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Selbiges gab es dann - zur überwiegenden Zufriedenheit - im Steakhouse Louisiana. Wieder zurück am Hotel, gab der Hund leider noch immer keine Ruhe, was mich an der Rezeption den Umzug in ein anderes Zimmer (und am besten Stockwerk) verlangen ließ. Das wurde zum Glück anstandslos genehmigt, und ich hatte endlich meine Ruhe :-) Den Jahreswechsel habe ich dann komplett verschlafen.


7 Uhr Frühstück, 8:15 Uhr im Zug, 12:30 zu Hause - mehr gibt es von der Heimreise nicht zu berichten :-)

 

Es war wie immer eine schöne Zeit in Erfurt, und ich freue mich bereits auf den nächsten Besuch.