Bremen + Bremerhaven



Zeitraum:  Samstag 22. bis Montag 24.05.2021

 

Unterkunft:  Bremen, Intercity-Hotel

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, per Bahn


Bis zu diesem Wochenende war Bremen das einzige Bundesland, in dem ich noch nicht übernachtet habe. Das zu ändern war eines der Argumente für eine Reise nach Bremen, abgesehen natürlich von der vermutet tollen Altstadt mit Dom, Roland usw. Für eine zweite Übernachtung bot sich das Pfingstwochenende gut an, ich wollte den Anreisetag dann noch nutzen, um nach Bremerhaven zu fahren. 

 

Gesagt getan, nach Umstiegen in Mannheim und Hannover war ich schon kurz nach 12 in Bremen, wo es zunächst mal zum Coronatest ging - übrigens die Variante mit Abstrich in Nase UND Rachen, bähhh... Nach dem Einchecken im modern und schön eingerichteten Intercity-Hotel ging es direkt wieder rüber in den Bahnhof und mit dem nächsten Zug nach Bremerhaven. Das Wetter war leider schon wieder eher bescheiden, wobei es im Tagesverlauf dann immer schlimmer wurde. In Bremerhaven angekommen, bin ich vom Bahnhof Richtung Hafen gelaufen, ohne dort ein besonderes Ziel zu haben. Nach nur ein paar Kilometern merkte ich bereits, dass es mir gesundheitlich nicht wirklich gut ging - kam mehr oder minder plötzlich. Leichtes Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, jedenfalls alles nicht so schön. Dazu der dann einsetzende Regen inklusive frischer Brise von der Nordsee. Über die Kennedybrücke erreichte ich das Hafengebiet und suchte dringend nach etwas Essbarem, da mir eindeutig Energie fehlte. Vorbei am Museumshafen mit seinen schönen alten Schiffen ging es in das Klimahaus, von dem eine Brücke ins Columbus-Center (Einkaufszentrum) führte. Hier war es immerhin trocken, windstill, und was zu Essen gabs auch :-) Allerdings fühlte ich mich immer noch nicht so besonders und fürchtete schon, den morgigen Tag eher abhaken zu können. Selten so geirrt! Jedenfalls ging es nach kurzer Pause in die Fußgängerzone, unter anderem vorbei an der riesigen Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche - ja die heißt tatsächlich so! Der weitere Weg führte mich an den Geestebogen, wo ein alter Portalkran daran erinnert, dass hier einst die Rickmers-Werft beheimatet war. Inzwischen ist das Areal zu einem Wohngebiet mit Parkanlage umgebaut worden, gefiel mir gut. Der daran anschließende Weg bis zurück zum Bahnhof ist nicht mehr weiter erwähnenswert, da ich tatsächlich nur noch zurück ins Hotel wollte. Natürlich nicht, ohne kurz vorm Bahnhof nochmals in einen strammen Regenschauer zu geraten. "Toller" Tag!


Neuer Tag - neues Glück! So hoffte ich nach der gestrigen Enttäuschung, und die Hoffnung wurde mehr als erfüllt. Aber der Reihe nach... Die Nacht auf dem für mich viel zu harten Bett war dennoch ganz erholsam, und nach dem Frühstück ging es direkt los. Grobe Ziele waren die Altstadt und das Weserufer, einfach mal schauen, wie weit die Füße tragen würden. Das Umfeld von Bahnhöfen in größeren Städten ist ja oftmals nicht gerade angenehm, besonders abschreckende Beispiele sind für mich Frankfurt am Main, Hamburg - und Bremen! Das Publikum auf dem Bahnhofsvorplatz und den angrenzenden Flächen ließ mich doch beschleunigten Schrittes die Fußgängerzone anstreben. Nach einigen Metern erreicht man die Bremer Wallanlagen, die als Grüngürtel einen Ring um die Altstadt bilden. Von oben erkennt man gut den gezackten Verlauf der Anlage und des Wassergrabens. Nach einer kleinen Runde durch die Wallanlage ging es dann endgültig in die Altstadt. Hier erreichte ich zunächst die markant asymmetrische Liebfrauenkirche mit ihrem hohen Turm und dahinter das alte Bremer Rathaus. Ich hatte ja bereits (mehrfach?) erwähnt, dass ich ein Fan der Backsteingotik bin, und als solcher kommt man in Bremen natürlich voll auf seine Kosten. Direkt am Rathaus das weltbekannte Denkmal der Bremer Stadtmusikanten, das ich mir unbedarfterweise allerdings größer vorgestellt hatte. Umso größer dagegen der vor dem Rathaus stehende Bremer Roland - DAS Wahrzeichen der Stadt und zusammen mit dem Rathaus auch Weltkulturerbe der UNESCO. Der Sonnenstand um halb neun ließ verhinderte einige Fotomotive, so dass ich plante, später am Tag hier nochmal vorbeizukommen. Dann hätte nämlich auch der beeindruckende Bremer Dom geöffnet, den ich unbedingt auch von innen besichtigen wollte. Besonders aufgefallen ist mir das nur wenige Meter neben dem Dom aufgestellte Bismarckdenkmal. Wenn man sich die Ereignisse des Kulturkampfes in Erinnerung ruft, kann man sich über diese räumliche Nähe wundern, architektonisch ist es aus meiner Sicht aber eine sehr gelungene Platzierung. Weiter ging es dann durch die mir bislang völlig unbekannte Böttcherstraße, die ich absolut faszinierend fand. Nächstes Ziel war das Schnoorviertel mit seinen wunderschönen kleinen Gässchen und Häuschen - hier sah ich außer mir keine Menschenseele und fand die Stille in den engen Gassen irgendwie total schön, war ich doch schließlich mitten in einer Großstadt. Vom Schnoorviertel sind es nur noch wenige Meter bis ans Weserufer, wo ich bei inzwischen strahlendem Sonnenschein dann ordentlich Strecke machen konnte. Das ungute Gefühl vom Vortag war zum Glück völlig weg, und ich dachte mir schon hier, dass es wohl noch einige Kilometer werden könnten. Nach deren zwei erreichte ich dann das Weserstadion, was durch die Komplettverkleidung mit Solarpanels von außen eher an ein Raumschiff erinnert. Nachvollziehen kann ich jetzt allerdings, warum man hier bei Hochwasser nicht spielen kann, wie es in der Vergangenheit ja schon einige Male vorkam, denn das Stadion liegt wirklich fast direkt am Wasser. 

 

Damit waren meine geplanten Ziele eigentlich bereits abgearbeitet, und es war noch nicht mal 11 Uhr. Wie also weiter? Zunächst musste ich mir ein zweites Frühstück organisieren :-) Es ging also weg von der Weser in die Östliche Vorstadt, wo mich Google auf ein Café mit Außenbestuhlung verwies. Zum Draußensitzen war es warm genug, und lecker war es außerdem. Mein neuer Plan sah vor, nach der Pause den Bürgerpark anzusteuern. Bis dorthin waren es nochmals einige Kilometer durch größere Wohngebiete und den Stadtteil Schwachhausen, wo ich ja namensbedingt auch nicht wirklich wohnen wollen würde :-) Allerdings gibt es hier jede Menge schön anzusehender Villen aus der Gründerzeit. Im Bürgerpark angekommen, musste ich zunächst mal Ibuprofen nachwerfen, da die harte Matratze sich in Form ziemlicher Rückenschmerzen bemerkbar machte. Die Sonne hatte sich inzwischen leider verzogen, was den Bürgerpark auf meinen Bildern düsterer erscheinen lässt, als er war. Schöne geschwungene Wege, Wasserläufe, Brücken, tolle alte Bäume - genau so stelle ich mir einen Stadtpark vor. Ich bin dann mehr oder weniger einmal einen großen Bogen durch den Park gelaufen, von dessen südlichem Ende es dann nicht mehr weit bis zum Bahnhof war. Bei einer Pause im Bürgerpark war es dann mal wieder höchste Zeit, eine Mütze auf der Bank zu vergessen - die erste in 2021. Direkt an den Bürgerpark schließt sich der Nelson-Mandela-Park an, in dem sich das heute so genannte Antikolonialdenkmal befindet - die Geschichte dahinter (siehe Link) finde ich sehr spannend. Nun ging es aber endgültig zurück zum Bahnhof, wo ich nach immerhin schon 18 km immer noch halbwegs fit auf den Beinen war. Also ging es nach kurzer Rast in der DB Lounge noch einmal in die Altstadt, wiederum durch einen Teil der Wallanlagen. Hier wurden dann rund um den Dom noch einige Fotomotive nachgeholt, und ich konnte den Dom auch betreten. Nachdem sogar nochmal kurz die Sonne rauskam, erwischte mich in der Fußgängerzone dann ein heftiger Schauer, zum Glück gab es an einer Ladenzeile aber eine überdachte Sitzgelegenheit, wo ich dann eine glatte halbe Stunde ausharren musste. Ich hatte mir inzwischen in den Kopf gesetzt, die 25 km vollzumachen, was einen Umweg aus der Altstadt heraus erforderte. Die Umgebung mit vielen Straßenbrücken und Brachflächen war reichlich unschön, und nach einer kleinen Schleife durch den Stadtteil Utbremen ging es dann auf den finalen Heimweg. Vorbei am Übersee-Museum erreichte ich Bahnhof und Hotel dann von der Westseite, wo ich kurz vor dem Ziel fast noch von einem besoffenen Radfahrer umgenietet worden wäre...

 

Die Wander-App zeigte am Hotel schließlich eine Wegstrecke von fast 26 Kilometern, ich war dann allerdings auch wirklich am Ende meiner Kräfte. Für Leser dieser Zeilen ist es wahrscheinlich nicht möglich, genau nachzuempfinden, was solche Strecken für mich bedeuten. Zum einen körperlich, aber auch für die Psyche. Wenn man mir nach meinem beinahe tödlich geendeten Verkehrsunfall von 2018 gesagt hätte, ich könnte irgendwann mal wieder 2-3 km weit laufen, hätte ich das ohne Zögern unterschrieben. Und jetzt über 25? Unfassbar. Natürlich kann man jetzt einwenden, dass es ja reines Gehen und nicht Wandern oder Joggen ist und dass ich inkl. der vielen Pausen für diese Strecke mehr als 10 Stunden gebraucht habe. Und ich bin auch nicht der Typ, der sich übermäßig selbst loben will. Aber auf diese körperliche Leistung (ja, für mich ist Spazierengehen eine Leistung - ihr könnt das halt nicht nachvollziehen) war ich schon mächtig stolz! 


Ursprünglich hatte ich geplant, am Pfingstmontag auf der Heimreise noch eine Großstadt "mitzunehmen", z.B. Göttingen oder Wolfsburg. Nach dem Gewaltmarsch des Vortages war daran aber nicht zu denken. Was aber immer geht, ist ein Abstecher nach Berlin :-) Also über Hannover mit dem ICE nach Berlin-Spandau, von dort dann ein bisschen mit der S-Bahn rumgefahren und am Brandenburger Tor rausgekommen. Kurzer Fußweg vorbei an Reichstagsgebäude und Bundeskanzleramt bis zum Hauptbahnhof. Dort entdeckte ich dann noch zufällig die neue DB Premium Lounge - ein echter Hingucker! Nach kurzer Mittagspause wieder zurück nach Spandau und mit dem leider erheblich verspäteten ICE nach Mannheim. Dass dort die S-Bahn nur bis Ludwigshafen fuhr und man in Ludwigshafen zur Weiterfahrt in eine S-Bahn der selben Baureihe umsteigen musste, hat außer dem Lokführer vermutlich keiner verstanden. Naja...