Amsterdam



Zeitraum:  Freitag 25. bis Montag 28.02.2022

 

Unterkunft:  A-Train Hotel

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß, Straßenbahn


Zum 25.02. wurden in den Niederlanden - abgesehen von der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln - ALLE Einschränkungen in Zusammenhang mit Corona aufgehoben. Für uns in Deutschland vermutlich noch auf Jahre unvorstellbar, und für mich ein perfekter Anlass, genau an diesem Tag nach Amsterdam zu fahren :-) Amsterdam stand schon länger auf meiner Liste möglicher Reiseziel, allerdings eher als Tagesausflug. Aber um die Gängelungs- und Maskenfreiheit auch richtig genießen zu können, fand ich ein verlängertes Wochenende viel angemessener. Von Worms ist Amsterdam mit nur einem Umstieg in Frankfurt in gut sechs Stunden erreichbar. Ich wählte ein Hotel direkt gegenüber des Hauptbahnhofs, um den Koffer nicht weiter als unbedingt nötig transportieren zu müssen. Das Hotel im "Eisenbahnstil" (siehe Homepage) versprach viel, hielt aber letztlich nur wenig. Das Zimmer war winzig, das Frühstück lausig, aber das Bett war sehr bequem - letztlich der wichtigste Punkt.

Einige Sätze zu Amsterdam:

Amsterdam ist die größte Stadt der Niederlande mit ca. 870.000 Einwohnern. Das Stadtzentrum ist geprägt vom Amsterdamer Grachtengürtel, seit 2010 auch Weltkulturerbe der UNESCO. Die Grachten dienen heute vornehmlich den Touristenbooten und hatten früher eine wichtige Funktion im Transportwesen und auch der Verteidigung. Die Amsterdamer Innenstadt mit den Grachten, Kirchen, schmalen Straßen und Gassen, den vielen kleinen und kleinsten Geschäften, Cafés und Bars und den unzähligen prunkvollen Häusern aus dem sog. Goldenen Zeitalter ist einfach wunderschön. Als fußläufiger Tourist sollte man dabei stets im Hinterkopf haben, dass es in Amsterdam gefühlt mehr Fahrräder als Einwohner gibt und dem entsprechend aufmerksam sein. Für mich stellte das insofern eine besondere Herausforderung dar, da ich beim Laufen meistens auf den Boden schaue, um auch ja in kein Loch zu treten oder über etwas zu stolpern. Da das Radwegenetz sehr gut ausgebaut ist, nutzen die allermeisten Radler selbiges auch, so dass man sich auf dem Bürgersteig prinzipiell sicher vor ihnen fühlt. Der öffentliche Nahverkehr mit Straßenbahn, Bus und Metro ist perfekt ausgebaut. Es gibt ein bargeld- und kontaktloses Zahlungssystem (OV-Chipkarte), die man übrigens im gesamten Land nutzen kann. Unvorstellbar in Deutschland mit seinen drölfhundert Verkehrsverbünden, Tarifsystemen usw. usw. 

 

Was ist mir sonst noch aufgefallen? Die Menschen in Amsterdam sind unheimlich locker. Das mag evtl. an den vielen hundert Coffeeshops liegen und dass es in der gesamten Innenstadt teilweise ziemlich penetrant nach Gras riecht - als jemand, der mit diesem Zeug nicht das Geringste zu tun hat, kam es mir manchmal so vor, als würde ich trotzdem automatisch high werden, wenn ich nur lange genug rumlaufe... Aber ich glaube, es gibt in den Niederlanden einfach generell ein anderes Lebensgefühl. In einer Touristenmetropole wie Amsterdam kommt das vermutlich noch deutlicher zum Vorschein als "auf dem Land", aber ich habe es jedenfalls sehr genossen. Es war kein Problem, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, da sie a) einfach offen waren und b) ungefähr jeder Niederländer die englische Sprache beherrscht. Ich habe in Amsterdam nur Englisch gesprochen, was einerseits eine gute Übung war, mir aber andererseits klar machte, wie schrecklich lückenhaft meine Sprachkenntnisse (geworden) sind. Interessant fand ich auch, wie wenig Polizei auf und in den Straßen unterwegs war. Viele Plätze sind natürlich videoüberwacht, aber in deutschen Großstädten sieht man deutlich öfter einen Polizeiwagen herumfahren als in Amsterdam. Das lockere Lebensgefühl kann man auch in vielen anderen Dingen wahrnehmen, hierfür nur einige Beispiele: Es gibt viel weniger Verkehrsschilder. Die Leute parken ihre Autos direkt an den Grachten, teilweise nur wenige Zentimeter von der Uferkante entfernt - bei uns nicht vorstellbar, hier gäbe es wahrscheinlich meterhohe Mauern oder sonstige "Absturzsicherungen". Die Geschäfte und Cafés/Bars nutzen die Bürgersteige ganz selbstverständlich, um dort Tische, Stühle usw. aufzubauen - in Deutschland käme da erst einmal das Ordnungsamt mit Metermaß, Wasserwaage und ca. 20 Formularen...

Das war jetzt jede Menge einleitender Text, dafür fällt der eigentliche Reisebericht umso kürzer aus. Ich hatte mir im Vorfeld tatsächlich auch keinerlei Gedanken gemacht, was ich mir in Amsterdam alles anschauen wollte. Einzig die Restaurants fürs Abendessen wurden natürlich rechtzeitig gebucht - hier habe ich aus meiner Sicht drei Volltreffer gelandet. Ansonsten sah der "Reiseplan" - so man ihn überhaupt so nennen kann - vor, einfach nur herumzulaufen und zu sehen, wie weit und wohin mich die Füße tragen würden. Das Wetter war - abgesehen von zwei ganz kurzen Schauern am Freitag - einfach nur überragend mit Sonnenschein von Morgens bis Abends. Ich hatte zwar die ganze Zeit recht penetrante Rückenschmerzen, fühlte mich ansonsten aber ziemlich fit und konnte von Freitag bis Sonntag so insgesamt 50 Kilometer zurücklegen. Dabei fällt es mir im Nachhinein echt schwer, bestimmte Highlights noch besonders hervorzuheben. Dazu kann ich jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild von der Stadt zu machen - sie ist mehr als sehenswert! Mein Tagesablauf war im Wesentlichen der, dass ich mich nach dem Frühstück auf den Weg machte, kreuz und quer durch die Innenstadt und die angrenzenden Bereiche lief, zwischendrin immer mal wieder ein kleines Café aufsuchte und mir am Abend dann ein umfangreiches Essen gönnte. Savoir-vivre könnte man das evtl. nennen :-)

Als ich am Montagvormittag wieder in den Zug gen Heimat stieg, war ich jedenfalls um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher.