4 Tage mit der Bahn



Zeitraum:  Montag 14. bis Freitag 18.03.2022

 

Unterkunft:  2x zu Hause, 1x Norden, Stadthotel Smutje

 

An- und Abreise:  per Bahn

 

vor Ort:  zu Fuß


Wenn man im BahnBonus-Programm 10.000 Punkte einlöst, bekommt man dafür u.a. das vierteilige Topfset „Astoria“ von WMF, einen Akkustaubsauger von Bosch, einen Rollkoffer von Samsonite - oder aber ein 4-Tages-Ticket 1. Klasse für ganz Deutschland. Für welche dieser Prämien ich mich entschieden habe, dürfte dem regelmäßigen Besucher dieser Seite klar sein :-) Es folgt daher ein etwas anderer Reisebericht über diese vier Tage mit der Bahn.

 

Die naheliegende Frage wird für viele sein: „Aber Du wirst doch nicht einfach nur vier Tage lang mit der Bahn rumgefahren sein?“ Nein, bin ich nicht, also nicht nur. :-) Ich liebe das Bahnfahren, wie man in manchem meiner Berichte ja zwischen den Zeilen lesen kann. Einfach entspannt quer durchs Land gondeln, natürlich immer mit einem oder mehreren guten Büchern „bewaffnet“, dazwischen die Landschaft betrachten (und/oder auch die Leute im Zug), Musik hören, auf dem Smartphone ein paar Schachpartien zocken, seinen Tagträumen nachhängen usw. – man kann unterwegs eine Menge machen, Bahnfahren ist für mich per se niemals langweilig. Nächste logische Frage: „Ja aber die ganze Zeit Maske tragen?“ Okay, das ist natürlich schon so eine Sache. Mich stört die Maske praktisch zwar weniger als viele andere Menschen, aber gerade als einziger Fahrgast im leeren Sechserabteil oder gar im ganzen Waggon ist sie natürlich himmelschreiender Unsinn. Daher gebe ich ganz offen zu, dass ich die Maskentragepflicht nicht durchgehend befolge. Schon gar nicht, wenn ich alleine im Abteil sitze. Wenn ein Zugbegleiter kommt, wird sie natürlich vorschriftsmäßig hochgezogen, bis der Herr/die Dame wieder weiterläuft. Und wenn man sich einen strategisch günstigen Sitzplatz sucht, sieht man den Aufpasser schon früh genug kommen und kann die Maske rechtzeitig wieder aufsetzen. Außerdem habe ich immer etwas zu Essen/zu Knabbern dabei, womit man sich natürlich auch viel Zeit lassen kann… Summa summarum trage ich die Maske gefühlt nur die halbe Zeit wirklich ordnungsgemäß, damit kann ich ganz gut leben. Und ein gelegentliches Anschnauzen seitens eines Bahnmitarbeiters sollte man bestenfalls noch nicht mal ignorieren, damit lebt man einfach viel entspannter :-) Immer wieder erschreckend – ich erwähnte es ja bereits mehrfach – sind teilweise die Ansagen über Lautsprecher in den Zügen. Während viele Zugbegleiter das Maskengedöns glücklicherweise gelassen nehmen und ihren Text pflichtgemäß runterleiern, gefallen sich (wenige) andere in der Rolle des Hilfsblockwartes und „drohen“ genüsslich mit dem „Aussetzen an der nächsten Station“, sollte sich ein Fahrgast nicht an die Maskenpflicht halten. Naja, wenn man sonst keine Freude am/im Leben hat – es sei diesen Menschen gegönnt…

 

Das war jetzt schon wieder eine Menge einleitender und abschweifender Text, daher mal zum Wesentlichen: Der erste der vier Reisetage verlief unspektakulär und tatsächlich nach dem Motto: „Einfach einsteigen, irgendwo umsteigen, umsteigen… und irgendwann abends wieder zurück in Worms sein“. Genau so habe ich es dann auch gemacht, die Reise führte mich u.a. nach Heidelberg, Kassel, Nürnberg und an den Frankfurter Flughafen. Dort besuchte ich endlich auch die DB Lounge – eine von dreien, die mir noch fehlte (jetzt sind es nur noch Essen und Nürnberg). Auffällig – wie auch an den übrigen Tagen – war die hohe Quote an verspäteten Fernzügen. Subjektiv lag sie jedenfalls deutlich höher als die Werte, die von der Bahn gelegentlich veröffentlicht werden. Aber es ist wie gesagt nur ein subjektiver Eindruck von den jeweiligen Bahnhöfen, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es gab demgegenüber aber auch Ausnahmen: Der ICE 589 schaffte es sogar, in Kassel-Wilhelmshöhe mit +16 (also 16 Minuten Verspätung) loszufahren, in Nürnberg aber 10 Minuten vor (!) Plan anzukommen. Keine Ahnung, wie das funktionierte… Im ICE von Nürnberg nach Frankfurt-Flughafen gönnte ich mir im Bordrestaurant die vegetarischen Maultaschen, die ganz hervorragend schmeckten. Gleiches galt auch für die Gemüsebolognese am nächsten Tag. In das kulinarische Angebot wurde offensichtlich einiges investiert, wie mir eine Mitarbeiterin im Bordrestaurant auch bestätigte. Ihr sei selbst aufgefallen, dass die Speisewagen viel besser bestückt und die Gerätschaften besser gewartet seien als in der Vergangenheit. Sehr löbliche Sache!

1. Tag: 9 Züge, ca. 14 Stunden Fahrtzeit

 

Für den zweiten Tag galt im Prinzip der gleiche Slogan, nur ergänzt um „zwischendurch noch schnell ein Weltkulturerbe besuchen“. Ausgesucht hatte ich mir dafür das Fagus-Werk in Alfeld, da diese praktisch direkt hinter dem dortigen Bahnhof liegen, also sehr leicht erreichbar sind. Wenn man davorsteht, mag man kaum glauben, dass die Gebäude schon über 100 Jahre alt sind, da sie so modern wirken. Kein Vergleich zu den muffigen und dunklen „Löchern“, in denen damals sonst gearbeitet wurde. Die große Dauerausstellung habe ich mir nicht angesehen, so interessant finde ich die Geschichte der Schuhleistenherstellung dann doch nicht :-) Schon im ersten Zug des Tages rüber nach Biblis wurde mir wieder mal klar, dass ich nicht auf die Bahn als tägliches Verkehrsmittel angewiesen sein möchte. Es ist ja eine Sache, einfach so durch die Gegend zu fahren, vielleicht sogar ohne festes Ziel. Da nimmt man Verspätungen, Ausfälle usw. viel gelassener und steigt halt in den nächsten Zug. Aber wenn man morgens zur Arbeit muss, ist das was ganz anderes. Die Regionalbahn von Worms nach Biblis fuhr schon verspätet los, und den gutgemeinten Versuch, wieder ein paar Sekunden rauszuholen, vereitelte kurz vor Biblis die Zugbeeinflussung mit einer Zwangsbremsung. Die Anschlüsse Richtung Frankfurt und Mannheim wurden zwar noch erreicht, aber die Leute waren direkt schon gestresst, noch bevor sie überhaupt auf der Arbeit waren. Sowas würde ich mir – und dann womöglich noch mehrmals in der Woche – echt nicht geben wollen. Von Alfeld ging es weiter über Hannover und Bielefeld nach Altenbeken mit seinem wirklich außergewöhnlichen Bahnhof. Für heutige Aufgaben und im Vergleich zur Größe des Ortes völlig überdimensioniert, aber dafür mit dem vielleicht gemütlichsten Wartebereich Deutschlands (siehe Bildergalerie). Ein ultrakurzer (5 Wagen) Intercity brachte mich dann nach Duisburg, von wo aus es über Mannheim wieder nach Hause ging.

2. Tag: 10 Züge, ca. 10,5 Stunden Fahrtzeit

 



Dass Verspätungen manchmal ihr Gutes haben, zeigte sich am nächsten Tag. Ich wollte nach Norden (sowohl Stadt wie auch Himmelsrichtung) fahren und hatte mir die Klaus-Peter-Wolf-Suite im Hotel Smutje gebucht. Auch so ein Punkt zum Abhaken auf meiner imaginären To-Do-Liste… Über Klaus-Peter Wolf, Ostfriesland usw. habe ich ja an anderer Stelle schon einiges geschrieben, z.B. hier. Von Worms nach Norden bzw. nach Norddeich Mole führen mit der Bahn viele Wege. Man kann mit dem ICE nach Münster und von dort mit Regionalzügen weiterfahren, oder man erwischt unterwegs einen der typischen Urlauber-Intercitys, die direkt bis Norddeich Mole fahren. Da gibt es dann sagenhafte Linienverläufe wie z.B. von Norddeich über Bremen, Hannover, Magdeburg und Berlin nach Cottbus. Mein Plan sah den Weg über Mannheim, Münster und Emden vor… und scheiterte praktisch schon kurz hinter Lampertheim, wo der ICE sich bereits so viel Verspätung einfing, dass der Anschluss in Münster unrealistisch wurde. Also Plan B: Nur bis Köln fahren, dort eine Stunde in der DB Lounge chillen und auf den nächsten Intercity Richtung Emden warten. Tatsächlich hatte aber der direkt bis Norddeich Mole verkehrende und in Koblenz einsetzende Intercity so viel Verspätung (+40), dass ich ihn in Köln noch erwischte und praktisch bis ans Nordseeufer durchfahren konnte. Kleiner Wermutstropfen: Es war „nur“ ein Intercity 2, also sterile Doppelstockwagen ohne BordBistro; dieser Zugtyp ist mir trotz der tollen Aussicht im oberen Stock noch nicht so sympathisch geworden. Kurios dann die Durchsage kurz vor Papenburg: „Zugbegleiter bitte mit F-Gerät in Wagen 3 kommen“ (Ich saß in Wagen 5). „F-Gerät“ ist die bahninterne Bezeichnung für den Feuerlöscher, die man zur vermeintlichen Beruhigung der Passagiere verwendet. Wofür der Feuerlöscher letztlich benötigt wurde, blieb unklar, da die Fahrt ohne erkennbare Unterbrechung weiterging. In Norddeich Mole angekommen, ging es natürlich direkt auf den Deich, und ich fühlte mich fantastisch! Sonne satt, salzige Nordseeluft, kilometerweite Sicht in alle Richtungen – so mut datt! Nach ausgiebiger Runde auf der Deichkrone bin ich von Norddeich nach Norden (bzw. eigentlich ja nach Süden) marschiert und habe nach einer kleinen Runde im Hotel eingecheckt. Am Abend – natürlich – standesgemäß das Klaus-Peter-Wolf-Menü im Restaurant Smutje. Rundum ein toller Tag!

3. Tag: 3 Züge, ca. 7 Stunden Fahrtzeit

 



Nach dem obligatorischen Frühstück im Café ten Cate machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof und – leider – auf die Rückreise. Diese wurde in Emden kurz unterbrochen, um die auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellte legendäre Dampflok zu fotografieren. Natürlich könnte man angesichts der derzeitigen Strom- und Ölpreise (augenzwinkernd) daran denken, diese zu reaktivieren. Aber da die Lok eine Ölfeuerung hat, würde das auch nicht wirklich etwas bringen. Der Rest des Tages ist dann schnell erzählt: Von Emden ging es – auf wunderschöner Strecke durch das Sieger- und Sauerland – zunächst nach Frankfurt und von dort mit einem „kleinen“ Schlenker nach Augsburg wieder gen Heimat, die ich schließlich am Freitagmorgen um viertel vor Eins erreichte.

4. Tag: 6 Züge, ca. 11 Stunden Fahrtzeit.

 



Fazit dieser vier Tage: Geniale Sache! Ich habe viel gesehen, gut gegessen, vier Bücher ganz und ein fünftes zur Hälfte gelesen und mich rückblickend betrachtet in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal über irgendetwas richtig aufgeregt oder geärgert. Und natürlich auch ein toller Vorgeschmack auf die Zeit ab dem 1. April. Ab diesem Tag gilt dann für drei Monate meine BahnCard 100, und ich freue mich darauf jetzt schon wie Bolle :-)